BVB-Trainer Edin Terzic hofft auf eine erfolgreiche Saison. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Bernd Thissen/dpa)

Trotz oder Trauma? Borussia Dortmund nimmt nach dem leidvollen Fußball-Drama im vergangenen Saisonfinale einen weiteren Anlauf auf den Meistertitel.

Sebastian Kehl ist vor dem Ligastart am Samstag (18.30 Uhr/Sky) gegen den 1. FC Köln guter Dinge, dass der Vizemeister ungeachtet des Knockouts im Mai wieder schnell auf die Beine kommt. «Es gibt viele Beispiele, die zeigen, dass aus einem dramatischen Finale neue Kraft, ein neuer Geist, ein Gemeinschaftsgefühl und die Gier erwachsen, es beim nächsten Mal unbedingt besser machen zu wollen», sagte der BVB-Sportdirektor in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur. Kämpferisch fügte er an: «Wenn wir an unserem Limit spielen, sind wir zu allem in der Lage.» 

Das 2:2 gegen Mainz, mit dem das Team von Trainer Edin Terzic die Tabellenführung noch verspielte und damit dem FC Bayern zum elften Titel in Serie verhalf, hatte nach Einschätzung von Kehl – bei allem Frust – auch einen positiven Begleiteffekt: «Zwischen Mannschaft und Fans ist im Mai 2023 ein Band entstanden, das ich im Moment als sehr, sehr besonders empfinde. Auch deshalb sehe ich die Chance, in diesem Jahr gemeinsam etwas zu bewegen.» Wie Kehl hofft auch Terzic auf ein inspirierendes Erfolgserlebnis, mit dem die traumatischen Erlebnisse gleich zum Saisonstart vertrieben werden: «Wir wollen von Anfang an da sein und zeigen, wohin die Reise gehen kann.»

BVB-Kaderumbau noch nicht abgeschlossen

Dabei ist der Umbau des Kaders noch immer nicht abgeschlossen. Im Vergleich zu den wohl größten Titelkonkurrenten aus München, Leipzig und Leverkusen hielt sich der BVB mit Zukäufen bisher zurück. Trotz der Zusagen von Ramy Bensebaini (Mönchengladbach), Felix Nmecha (Wolfsburg) und Marcel Sabitzer (München) gab es Schlagzeilen über eine angeblich schleppende Einkaufspolitik. Diese Kritik hält Kehl für unbegründet und verwies auf die Schlagkraft des Teams in den vergangenen Monaten: «Wir haben in diesem Kalenderjahr 46 Punkte geholt, wir haben die meisten Tore aller Clubs in den Top-5-Ligen Europas geschossen. Und wir haben – einer klaren Analyse folgend – drei Nationalspieler verpflichtet. Wenn Sie das als schleppend empfinden, dann ist das so.»

Dass die Bayern allein mit den Zukäufen von Torjäger Harry Kane und Abwehrspieler Kim Min-jae mehr als 150 Millionen Euro investierten, verleitete den BVB bisher nicht zu Aktionismus. «Druck haben wir deshalb nicht verspürt. Wir lassen uns auch nicht von außen treiben», kommentierte Kehl. Gleichwohl sichten die Dortmunder bis zum Ende der Wechselfrist am 1. September weiter den Markt – angeblich nach einem Außenverteidiger, einem Innenverteidiger und einem zentralen Angreifer als Backup für Sébastien Haller. 

Schmerzliche Abgänge gehören zur BVB-DNA

Namhafte Transfers auf gleich mehreren Positionen wird es nach Aussage des Sportdirektors aber nicht mehr geben: «Alles auf einmal wird ohnehin nicht funktionieren. Wir haben schon in der ersten Juni-Woche transparent kommuniziert, dass wir 60 bis 65 Prozent der Transfersumme von Jude Bellingham wieder in den Kader investieren können. Die Zahlen liegen also für jedermann ersichtlich auf dem Tisch.» In Anspielung auf das angebliche Interesse der Borussia an Torjäger Romelu Lukaku vom FC Chelsea ergänzte er: «Was das alles über ein Transfer-Gerücht aussagt, können Sie mit dem Taschenrechner ziemlich leicht ergründen.»

Schmerzliche Abgänge wie der von Bellingham für 103 Millionen Euro plus möglicher Boni zu Real Madrid gehören laut Kehl mittlerweile zur Dortmunder DNA: «Darin kann auch eine Chance liegen. Nach Erling Haalands Abgang im vergangenen Sommer wurde uns die gleiche Frage gestellt. Und wie viele Tore haben wir 2023 erzielt? Mehr als alle anderen, wir haben die Verantwortung allerdings auf mehrere Schultern verteilt: Sie sehen: es geht.»

Kehl sehnt für die kommende Saison eine zweite Chance herbei, um das Geschehene vergessen zu machen: «Wir würden das Rennen gern so lange wie möglich offen halten – im besten Fall mit einem besseren Ende für uns als im Mai. Ich bin überzeugt: Kämen wir noch einmal in solch eine Situation, würden wir dieses Finale gewinnen.»

Von Heinz Büse, dpa
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