Horst Hrubesch möchte gerne wieder die Atmosphäre im Olympischen Dorf mit Sportlern aus aller Welt erleben. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Federico Gambarini/dpa)

Zu «Cotton Eye Joe» von der Band Rednex und anderen Party-Hits tanzten und feierten die deutschen Fußballerinnen bis tief in die Nacht von Heerenveen. Nach der erfolgreichen Olympia-Qualifikation für Paris ist vom Nationalteam und von Interims-Bundestrainer Horst Hrubesch eine «Riesenlast» abgefallen, wie Torhüterin Merle Frohms es formulierte.

Und auch von den Verantwortlichen des DFB. Die sind nun gefordert, schnell die Nachfolge von Hrubesch nach den Sommerspielen zu präsentieren, um vor der EM-Ausscheidung Ruhe hineinzubringen. Der 72-Jährige formulierte schon mal ein hohes Ziel für Olympia.

Trainerposten offen

«Ich werde nicht nach Paris fahren, um mitzuspielen. Ich will schon ins Endspiel», sagte Hrubesch nach dem leidenschaftlich erkämpften 2:0 gegen die Niederlande im Spiel um Platz drei der Nations League. Bei einem Misserfolg wäre die Amtszeit des HSV-Idols abrupt zu Ende gewesen. Einen klaren Favoriten für den künftigen Bundestrainer oder die Bundestrainerin gibt es nicht.

«Wir werden es zeitnah kommunizieren, wie es weitergeht», versprach die neue DFB-Sportdirektorin Nia Künzer, die zusammen mit Verbandspräsident Bernd Neuendorf und Geschäftsführer Andreas Rettig im Abe-Lenstra-Stadion und danach bei der Feier war.

«In erster Linie ist es für mich wichtig, dass die Mädels da hinfahren», sagte Hrubesch nach dem Kraftakt. Ein Hintergrund für seinen Finalwunsch ist auch: «Dann habe ich das Olympische Dorf, das muss schon sein.» Er hatte immer betont, dass er gerne noch einmal die Atmosphäre in der Athletenunterkunft mit Sportlern aus aller Welt erleben möchte.

Großes Finale in Paris

2016 in Rio de Janeiro hatte Hrubesch Silber mit den deutschen Männern geholt, während die DFB-Frauen damals unter Silvia Neid Gold gewannen. Nun dürfen Kapitänin Alexandra Popp und ihre Mitspielerinnen vom zweiten Olympia-Triumph träumen. Die Gruppenauslosung mit zwölf Teilnehmern – darunter Weltmeister Spanien, Frankreich, die USA, Kanada, Brasilien und Kolumbien – ist am 20. März. Gespielt wird in Paris, Bordeaux, Lyon, Marseille, Nantes, Nizza und Saint-Étienne. Zum großen Finale kommt es zum Abschluss der Spiele im Prinzenpark von Paris.

Popp wurde bei den Ansprachen nach Mitternacht noch extra erwähnt – der Erfolg gegen das Oranje-Team war ihr 100. Sieg im 137. Länderspiel. «Ich bin unglaublich glücklich und bin sehr erleichtert, dass wir das Spiel zu unseren Gunsten entschieden haben. Ich bin sehr, sehr stolz auf meine Mannschaft», sagte die Wolfsburgerin im ZDF-Interview nach dem Abpfiff.

«Unglaublich wichtig», so die derzeit vereinslose Nationaltorhüterin und Olympiasiegerin Almuth Schult, sei das Paris-Ticket, nach «den zuletzt nicht so überzeugenden Leistungen». Auch Torschützin Klara Bühl vom FC Bayern erinnerte an das WM-Debakel von Australien und die Zeit danach mit der Hängepartie um die erkrankte Ex-Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg: «Jeder weiß, aus welch schwieriger Phase wir kommen.»

Die DFB-Männer hatten die Olympia-Teilnahme verpasst. Schult hofft aber angesichts der Männer-EM in Deutschland (14. Juni bis 14. Juli) und den Sommerspielen mit den Frauen (26. Juli bis 11. August): «Das kann wirklich Auftrieb geben für den deutschen Fußball.»

Vorher noch die Pflicht der EM-Quali

Bei aller Begeisterung über die Olympia-Teilnahme ging fast unter, dass vor Hrubesch und seinem Team zwischen April und Juli noch die EM-Qualifikation mit sechs Spieltagen für die EM 2025 in der Schweiz liegt. Die Gruppengegner werden am kommenden Dienstag ausgelost. Zwischen dem letzten EM-Ausscheidungsspiel und dem Beginn des olympischen Fußballturniers liegen nur neun Tage.

Viel Arbeit also für Hrubesch, bevor er sich seinen Olympia-Traum erfüllt. «Wir sind wirklich auf einem guten Weg. Aber wir müssen einfach konstanter werden», sagte der Europameister von 1980. «Der Maßstab wird sein, wenn du gegen Spanien spielst.» Auch deshalb hatte ihn die 1:2-Niederlage in Frankreich vergangene Woche in Lyon geärgert. Mit einem Sieg wäre schon da das Olympia-Ticket sicher gewesen – und seine Auswahl hätte im Finale gegen Spanien lernen können.

Den Fans und Spielerinnen war das in Heerenveen natürlich völlig egal. «Paris, Paris – wir fahren nach Paris!», tönte es aus der deutschen Kurve und später aus der Kabine der Gäste. Von den Fußballerinnen, die den Erfolg ausgelassen feierten, werden aber einige nicht in Paris dabei sein. Bei Olympia umfasst der Kader nur 18 Spielerinnen – also fünf weniger als zuletzt. Diese Regelung hatte schon vor Rio 2016 für Ärger im Deutschen Fußball-Bund (DFB) gesorgt. Der Verband hat sich deshalb – allerdings mit geringen Aussichten – gemeinsam mit anderen europäischen Nationen beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) darüber beschwert.

Von Ulrike John, dpa
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