Bayern-Stürmer Sadio Mané soll für Tore Sorgen. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Sven Hoppe/dpa)

Drei Tore braucht der FC Bayern für ein Fußball-Wunder gegen Manchester City – mindestens! Aber die Münchner Fans und auch Trainer Thomas Tuchel fragen sich vor der nötigen Champions-League-Aufholjagd im Viertelfinal-Rückspiel: Wer soll sie schießen?

Robert Lewandowski ist nicht mehr da. Und ob Eric Maxim Choupo-Moting am Mittwoch (21.00 Uhr/DAZN) nach Kniegelenksproblemen auflaufen kann, ist ungewiss. Ein Comeback des Mittelstürmers wäre ein Hoffnungsschimmer. Immerhin stieg der 34-Jährige am Montag ins Mannschaftstraining ein. Ein Einsatz in der Startelf oder als Joker scheint damit in Reichweite.

Eine Tormaschine wie den ehemaligen Dortmunder Erling Haaland, der beim Hinspiel vor einer Woche im Etihad Stadium ManCitys 2:0 vorbereitete und das Tor zum 3:0-Endstand erzielte, hat eben nur Pep Guardiola bei seiner Rückkehr in die Allianz Arena zur Verfügung. 

Bayern nicht in Form

«Die Zuversicht ist gesunken», stöhnte Tuchel nach dem ernüchternden 1:1 gegen Hoffenheim. Der Bayern-Coach dachte bei dieser Aussage zwar hauptsächlich an die schlechte Gesamtleistung seiner Mannschaft. Aber auch Tuchel weiß gerade um die Torflaute, die nach seinem Amtsantritt und zur absoluten Saison-Unzeit eingesetzt hat. 

Bei Tuchels lautstark bejubelten, aber vielleicht auch überschätzten 4:2-Einstand gegen Borussia Dortmund gab es noch drei Angreifer-Tore durch Thomas Müller (2) und Kingsley Coman. Seitdem steht die Null in der top besetzten Offensivabteilung von Leroy Sané über Jamal Musiala bis hin zu Serge Gnabry. Nur noch drei Tore folgten in den vier Partien danach: Dayot Upamecano traf beim DFB-Pokal-Aus gegen Freiburg (1:2), Matthijs de Ligt beim 1:0 um Liga-Punkte gegen den Sportclub (1:0). Und Benjamin Pavard hieß der Torschütze gegen Hoffenheim. Alle drei sind Abwehrspieler.

Die Offensiv-Problematik beschäftigt Trainer und Spieler vor der «Mission Impossible» gegen Manchester City intensiv. «Es war nicht so, dass man das Gefühl hatte, dass die Offensiven Chance um Chance verballert haben», sagte Joshua Kimmich durchaus besorgt nach dem Hoffenheim-Spiel. Choupo-Moting wird vorne drin als Anspielstation und Zielspieler (17 Saisontore) extrem vermisst. «Es geht uns etwas in der Box ab», sagte Kimmich. Gnabry ist kein echter Neuner, Müller nicht, Sadio Mané auch nicht. Mathys Tel gilt als Mittelstürmer der Zukunft. Ob Tuchel den 17-jährigen Franzosen gerade jetzt ins kalte Wasser wirft?

Kader-Debatte

Die aktuelle Torflaute führt natürlich auch dazu, dass schon vor dem allseits erwarteten Europa-K.o. der Bayern gegen Man City intensiv über die von Sportvorstand Hasan Salihamidzic verantwortete Kaderaufstellung in der Offensive debattiert wird. Auch wenn dieser sich wehrt: «Wir haben Spieler, wenn die ein anderes Level haben und in Topform kommen, wissen wir, wie viele Tore sie machen können.» 

Zur Erinnerung: Der Münchner Chef-Kaderplaner heimste im vergangenen Sommer nach dem Abschied von Torgarant Lewandowski noch viel Lob ein für seine Transfers wie den von Stürmerstar Mané oder Abwehr-Ass de Ligt. Inzwischen hat der Vorstand um Oliver Kahn erkannt, dass im kommenden Sommer nachgebessert werden muss, gerade auf der Mittelstürmer-Position. Viele Namen von echten Neunern werden gehandelt, von Tottenhams Harry Kane über Frankfurts Randal Kolo Muani bis zu Neapels Victor Osimhen.

Zukunftsmusik! Tuchel braucht Sofortlösungen im K.o.-Spiel gegen Manchester. Und vielleicht braucht es in einer außergewöhnlichen Situation außergewöhnliche und auch gewagte Entscheidungen. Eine solche wäre, ausgerechnet jetzt Mané nach seinem Kabinen-Clinch mit Teamkollege Sané sowie der folgenden Suspendierung und Geldstrafe in der Startelf aufzubieten. Tuchel hat sich diese Option zumindest eröffnet: «Sadio hat eine Reaktion gezeigt. Er hat sich entschuldigt, die Sache ist abgehakt. Es ist alles gut.»

Mané kann Comeback

Mané trainiert für einen Man-City-Einsatz. Problem: In Tor-Form hat sich der lange verletzte Mané 2023 noch nicht präsentiert. Der ehemalige Bayern-Kapitän Stefan Effenberg würde trotzdem gerade jetzt die Mané-Karte ausspielen, wie er im Sport1-«Doppelpass» sagte: «Ich würde ihn von Anfang an spielen lassen, denn er ist in der Bringschuld.» Ein Münchner Königsklassen-Wunder mit Mané und Sané – es wäre eine hollywoodreife Story.

Übrigens: Mané war schon bei einem der denkwürdigsten Champions-League-Comebacks dabei, das auch noch zur Bayern-Ausgangslage am Mittwoch passt. Nach einem 0:3 beim FC Barcelona zog der Senegalese mit dem von Jürgen Klopp trainierten FC Liverpool 2019 nach einem magischen 4:0 im Halbfinal-Rückspiel an der Anfield Road doch noch ins Endspiel ein. 

Klaus Bergmann und Christian Kunz, dpa
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