Vertreter aus Südamerika feiern die WM-Bekanntgabe 2030. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Jorge Saenz/AP/dpa)

Eine Reise in die Vergangenheit und Spiele auf drei Kontinenten in sechs Ländern: Die Jubiläums-WM 2030 wird wohl zu einem grenzenlosen Mega-Turnier.

Zum 100-jährigen Bestehen der WM-Endrunde soll das Event in sieben Jahren in Uruguay, dem Gastgeber der ersten WM 1930, angepfiffen und anschließend mit zwei Spielen in Argentinien und Paraguay fortgesetzt werden. Danach wird nach dem Willen der FIFA-Spitze in Marokko, Spanien und Portugal weitergespielt. Das entschied der Rat des Weltverbands. Die Council-Entscheidung muss noch auf einem Kongress bestätigt werden, was aber wohl nur eine Formalie ist.

Start in Montevideo

«In einer geteilten Welt vereinen sich FIFA und Fußball», sagte FIFA-Präsident Gianni Infantino. Das 100-jährige Jubiläum der WM solle auf die angemessenste Weise gefeiert werden. «Das erste dieser drei Spiele wird natürlich im Stadion ausgetragen, wo alles begann, im mythischen Estádio Centenário von Montevideo», sagte Infantino. 

Ursprünglich wollten die drei südamerikanischen Länder das Turnier komplett austragen, was die FIFA aber ablehnte. Nach den drei Spielen soll das Turnier mit 48 Nationen in Marokko, Spanien und Portugal weitergehen. Alle sechs Teams wären damit auch automatisch für die Endrunde qualifiziert. Außerdem soll eine Jubiläumsfeier in Montevideo stattfinden, der Hauptstadt des ersten WM-Ausrichters Uruguay. Das Turnier ähnelt ein wenig der EURO 2021, die in elf Ländern ausgetragen worden war.

Kritik von Fan-Organisation

Auf die Teams und Fans kommen damit lange Reisen in verschiedenen Zeitzonen zu. Entsprechend wird die Entscheidung nicht nur goutiert. «Die FIFA setzt ihren Teufelskreis der Zerstörung gegen das größte Turnier der Welt fort», teilte die Vereinigung der europäischen Fußball-Fans FSE auf der Nachrichtenplattform X (ehemals Twitter) mit. Das Turnier sei schrecklich für die Fans, missachte die Umwelt und rolle womöglich Saudi-Arabien als Gastgeber für 2034 mit einer erschreckenden Menschenrechtsbilanz den roten Teppich aus. «Es ist das Ende der Weltmeisterschaft, wie wir sie kennen.»

Jubel herrschte dagegen in Südamerika. «Uruguayische Champions! Nach 100 Jahren wird die Welt bei der Eröffnung der WM 2030 wieder auf Uruguay und unser Centenario schauen. Diese Anerkennung wird jenen Pionieren gerecht, die Fußballgeschichte geschrieben haben», schrieb der uruguayische Staatspräsident Luis Lacalle Pou auf X. In Uruguay war einst die erste WM ausgetragen worden, das Turnier gewannen die Gastgeber durch ein 4:2 über Argentinien im Finale.

FIFA-Ankündigung kommt überraschend

Die Ankündigung der FIFA kam überraschend. Eigentlich sollte der 74. FIFA-Kongress im nächsten Jahr über die Vergabe der WM beraten, nun muss die Auswahl des Councils nur noch abgenickt werden. Damit würden erstmals WM-Spiele in Nordafrika, Portugal und Paraguay stattfinden. Uruguay hatte die erste Auflage 1930 veranstaltet, in Argentinien war die WM 1978 zu Gast und Spanien war 1982 Gastgeber. 

Damit hatte der jüngste Kuss-Skandal um den jüngst zurückgetretenen spanischen Verbandsboss Luis Rubiales offenbar keine negativen Auswirkungen auf den Vergabeprozess. Man sei bereit, «die beste WM der Geschichte zu organisieren», teilte der Verband RFEF mit. 

«Der Fußball macht es möglich, drei Kontinente zu vereinen, um das hundertjährige Jubiläum zu feiern», sagte der Präsident des südamerikanischen Fußballverbandes Conmebol, Alejandro Domínguez, bei einer Pressekonferenz am Mittwoch. «Er vereint drei Kontinente und sechs Länder. Ich bin sehr glücklich.»

Damit setzt die FIFA ihren Expansionskurs weiter fort. Die WM 2026 wird mit den Gastgebern USA, Mexiko und Kanada erstmals in drei Ländern ausgetragen. Dann werden auch erstmals 48 Teilnehmer dabei sein, womit es zur Rekordanzahl von 104 Spielen kommt.

Gleiches gilt dann auch für das Turnier 2030, das in den Monaten Juni und Juli ausgetragen werden soll. Ursprünglich zählte auch Chile zu den südamerikanischen Bewerbern, wurde aber von der FIFA nicht berücksichtigt. Gleiches gilt für die Ukraine, die in die Bewerbung von Marokko, Spanien und Portugal integriert werden sollte. 

Für die WM 2034 sollen sich laut FIFA-Mitteilung gemäß dem Rotationsprinzip nur Vertreter aus Asien und Ozeanien bewerben. Saudi-Arabien hat großes Interesse an einer Gastgeber-Rolle.

Voon Stefan Tabeling und Denis Düttmann, dpa
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