Trost nach dem Aus: Nicole Anyomi, Sara Däbritz und Trainerin Martina Voss-Tecklenburg (v.l.n.r). (Urheber/Quelle/Verbreiter: Sebastian Christoph Gollnow/dpa)

Nach dem unerwartet frühen Scheitern der deutschen Fußballerinnen bei der Weltmeisterschaft steht die Zukunft von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg im Fokus. Ein gutes halbes Jahr nach der Blamage der Männer-Nationalmannschaft in Katar muss der Deutsche Fußball-Bund das nächste Desaster aufarbeiten.

Direkt nach dem Vorrunden-Aus durch das 1:1 gegen Südkorea ließ Voss-Tecklenburg offen, ob sie weitermacht. Auch so manche ältere Nationalspielerin dürfte über einen Rücktritt nachdenken. Dies sind die wichtigsten Fragen nach der Riesenenttäuschung des Turnier-Mitfavoriten in Australien:

Tritt Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg zurück?

Die 55-Jährige hat unmittelbar nach dem 1:1 gegen Südkorea ihre Zukunft als Cheftrainerin offen gelassen, gibt aber zusammen mit DFB-Manager Joti Chatzialexiou am Samstag um 11:00 Uhr Ortszeit (03:00 Uhr MESZ) noch eine Pressekonferenz im WM-Quartier in Wyong. «Ich stehe dazu, dass wir es nicht geschafft haben, jetzt weiterzukommen. Ich gebe mir aber die Möglichkeit, jetzt nicht irgendwie vorschnell etwas zu sagen. Ich brauche jetzt auch etwas Zeit, um das verarbeiten zu können», sagte sie im ZDF. Dem Ergebnis müsse sich «in erster Linie auch meine Person» stellen, so Voss-Tecklenburg. Ihr Ehemann Hermann Tecklenburg sagte der «Rheinischen Post»: «Martina ist mit Leib und Seele Nationaltrainerin. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass sie mit dem Gedanken spielt, aufzuhören. Sie ist eine Kämpferin und wird wieder angreifen.» 

Was macht der DFB?  

Die Verantwortlichen gehen in die Analyse. «Ich habe direkt nach dem Spiel gegen Südkorea mit der Bundestrainerin telefoniert. Gemeinsam werden wir diese Enttäuschung aufarbeiten», sagte Präsident Bernd Neuendorf in der Mitteilung des Deutschen Fußball-Bundes. Nach dem Männer-Desaster in Katar durfte Hansi Flick im Amt bleiben – auch mangels Alternative. Überzeugen konnte er aber mit seiner Mannschaft auch danach nicht. Voss-Tecklenburg war zwar mit dem deutschen Team bei der WM 2019 im Viertelfinale gescheitert, hat aber mit der erfolgreichen EM 2022 in England einen Boom im Frauenfußball ausgelöst. Ihren Vertrag hatte sie erst im April bis 2025 verlängert. Sie kann immerhin auf viele Verletzte in der Abwehr als einen möglichen Grund verweisen. DFB-Präsident Bernd Neuendorf hat ihr schon das Vertrauen ausgesprochen.

Wie geht es mit den Spielerinnen weiter?

In der Kabine flossen gerade bei den Älteren die Tränen. Abwehrchefin Marina Hegering, zuletzt immer wieder durch Verletzungen zurückgeworfen, ist mit 33 die Älteste und eine Kandidatin für einen Rücktritt. Zumal sie beim VfL Wolfsburg mittelfristig ins Trainerteam rücken wird. Was alle beschäftigt ist: Macht Alexandra Popp weiter? Die Kapitänin ragte als einzige Spielerin aus dem DFB-Team heraus und erzielte vier Tore in den drei Vorrundenspielen. «Zu mir persönlich kann ich keine Antwort geben», sagte die völlig konsternierte und enttäuschte 32-Jährige auf eine Frage nach ihrer Zukunft im Nationalteam. Ihre langjährige Mitspielerin Svenja Huth (32) gehört zu den Älteren, aber Besseren im Team.

Was kommt an Spielerinnen nach? 

Eindeutig zu wenig. Die U19 wurde zwar dieser Tage EM-Zweite, doch ein Toptalent scheint nicht dabei zu sein. Niemand aus der Auswahl stand schon mal im Kader des A-Teams. Die wenigen Jungstars wie Jule Brand (20), Lena Oberdorf (21) und Klara Bühl (22) sind schon etablierte Nationalspielerinnen. Der Bundestrainerin kann man – mangels Alternativen – nicht vorwerfen, sie hätte wichtige Spielerinnen zu Hause gelassen.

Wie geht es für die DFB-Auswahl weiter? 

Bereits im September spielt Deutschland in der bei den Frauen neu geschaffenen Nations League um die Olympia-Qualifikation für Paris 2024. Ihr erstes Heimspiel bestreiten die Fußballerinnen am 26. September in Bochum gegen Island. Zuvor müssen die Vize-Europameisterinnen in dem Wettbewerb am 22. September in Dänemark ran.         

Von Ulrike John, dpa
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