Sportdirektor Rudi Völler (r) findet den ersten Kader von Neu-Bundestrainer Julian Nagelsmann (M) gut. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Jörg Halisch/dpa)

Um die harsche Kritik aus München an der USA-Reise der Fußball-Nationalmannschaft musste sich Julian Nagelsmann nicht kümmern, die wischten Rudi Völler und Hans-Joachim Watzke einfach mal zur Seite.

Die beste Nachricht bekam der neue Bundestrainer vor seinem Debüt aber ohnehin von seinem Anführer Mats Hummels. Die Zuversicht des Dortmunder Verteidigers nach der Humpel-Auswechslung gegen Union Berlin erleichterte Nagelsmann die Wartezeit im Frankfurter Airport-Hotel vor dem Abflug nach Amerika. 

Hummels gibt grünes Licht

«Nein. Alles gut. Ich habe es mir einfach klassisch ein bisschen zugelaufen», gab Hummels Entwarnung für seine allseits mit großer Zustimmung kommentierte DFB-Rückkehr. Nagelsmann erwartete am Sonntag den Großteil seines Kaders für den nicht nur bei seinem Bayern-Nachfolger Thomas Tuchel so ungeliebten Trip nach Übersee. Ein Rest-Bammel um die Fitness des von ihm zum Leader auserkorenen Hummels (34) bleibt natürlich, bis der Flieger am Montagmittag Richtung Boston abhebt. 

Und ein gewisses Risiko. Denn einen verletzten Dortmunder Leistungsträger will der Bundestrainer angesichts der Debatten um den Sinn eines kraftraubenden US-Trips ganz sicher nicht aus Amerika zurückbringen. 

Immerhin musste sich Nagelsmann mit der Kritik an den Test-Länderspielen gegen die USA am kommenden Samstag (21.00 Uhr/RTL) in Hartford und am Dienstag, 18. Oktober (2.00 Uhr/ARD), in Philadelphia gegen Mexiko vorab nicht großartig befassen. Die typischen Nörgeleien an Länderspielen mitten in der Bundesliga-Saison räumten für ihn Sportdirektor Völler und BVB-Boss Watzke ab.

«Unsere Jungs können das ab», sagte Völler bei allem Verständnis über die unter anderen von Bayern-Trainer Thomas Tuchel geäußerten Sorgen zu der Belastung für die Nationalspieler bei «Bild». Zudem werde Nagelsmann die Einsatzzeiten bestimmt dosieren, sagte Völler zur Beruhigung. 

«Irgendwann müssen wir uns auch ein bisschen zeigen»

DFL-Chef und DFB-Vize Watzke machte als Multifunktionär die Zwänge deutlich, die sich für Deutschland bei der erhofften Rückkehr zu einem globalen Fußball-Schwergewicht ergeben. «Irgendwann müssen wir uns auch ein bisschen zeigen», sagte er in einem Interview dem «Deutschlandfunk». 

Und die Spieler hätten bestimmt Lust auf Amerika. «Erstens ist es ganz interessant, weil wir in zweieinhalb Jahren die Weltmeisterschaft da haben. Die Spieler, ich habe das ja bei uns auch gemerkt, haben da Bock drauf. Das ist gar keine Frage, weil USA ist eine gute Location, da sind schöne Orte, und es macht da Freude», sagte der 64-Jährige. 

BVB-Chef Watzke wird wegen einer Operation nicht mit in die USA reisen. Der viel wichtigere Dortmunder ist für Nagelsmann aber ohnehin Hummels, der den von seinem Club-Chef beschriebenen «Bock» auf die Nationalmannschaft nach mehr als zwei Jahre unfreiwilliger Pause unter Ex-Bundestrainer Hansi Flick eindrücklich beschrieb. «Ich will, dass wir erfolgreich sind. Ich will, dass wir gewinnen. Ich will, dass die deutsche Nationalmannschaft wieder das ist, was sie vor vielen, vielen Jahren war. Eine der besten der Welt. Und ich glaube, dass die Mannschaft gut genug ist, um das wieder zu sein», sagte Hummels. 

Völler erwartet von dem DFB-Team eine Fortsetzung des Frankreich-Auftritts (2:1) unter seiner Interimsleitung im September. «Jeder hat sich zerrissen. Es war wie ein K.o.-Spiel (bei einem Turnier). Das wird auch in den nächsten Spielen gefordert sein, um mit einem guten Gefühl in die EM zu gehen», sagte der 63-Jährige. 

Nagelsmann mit «Lust auf Siege»

Nagelsmann will zwar die Heim-EM nicht zur alles beherrschenden und möglicherweise bedrückten Kulisse werden lassen. Das Motto für seine erste DFB-Reise formulierte er aber ähnlich. «Lust auf Siege» im «Hier und Jetzt», forderte der 36-Jährige. Den Unterschied zum Leben als Club-Coach wird Nagelsmann schnell kennenlernen, wenn er auch auf die Befindlichkeiten Rücksicht nehmen muss. 

Einige Telefonate mit BVB-Trainer Edin Terzic prophezeite Völler für die kommenden Tage, denn die Dortmunder spielen nur einen Tag nach der Rückkehr aus den USA schon wieder in der Bundesliga gegen Werder Bremen. 

Nagelsmann werde «bis zu einem gewissen Grad» Rücksicht nehmen, bemerkte Völler. Auch bei der Anreise gibt es schon Zugeständnisse. Das Wiedersehen mit seinen fünf Münchner «Pappenheimern» (Völler) findet für Nagelsmann erst am Montag statt, da die Bayern-Profis wegen des Bundesliga-Spiels gegen den SC Freiburg noch eine Nacht daheim verbringen dürfen. Kapitän Ilkay Gündogan, Torwart Marc-André ter Stegen und Hummels‘ Abwehr-Kollege Antonio Rüdiger reisen sogar aus Spanien direkt nach Boston. 

Von Arne Richter und Klaus Bergmann, dpa
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