Unions Paul Jaeckel (r) jubelt nach seinem Tor zum 1:0 mit Mitspieler Jamie Leweling (l). (Urheber/Quelle/Verbreiter: Tom Weller/dpa)

Der 1. FC Union Berlin hat sich an der Tabellenspitze der Fußball-Bundesliga abgesetzt und die Krise des VfB Stuttgart verschärft.

Die Köpenicker gewannen bei den Schwaben zum Abschluss des 9. Spieltags mit 1:0 (0:0). Paul Jaeckel (76. Minute) erzielte vor 43.250 Zuschauern den entscheidenden Treffer für die Berliner, die nun zwei Punkte vor dem zweitplatzierten SC Freiburg und schon vier Zähler vor Meister FC Bayern München liegen. Der Stuttgarter Serhou Guirassy sah in der 83. Minute nach einem Foul noch Gelb-Rot.

Stuttgart ernüchtert – Union erleichtert

Der Druck auf VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo wird derweil immer größer. Die Stuttgarter sind Tabellenvorletzter und als einziges Team in der Bundesliga diese Saison noch ohne Sieg. Kommendes Wochenende erwarten sie Schlusslicht VfL Bochum zum Kellerduell. «Die gesamte Situation ist nicht zufriedenstellend», bekannte Matarazzo.

Auf die Frage nach dem Handlungsbedarf wich Sportdirektor Sven Mislintat im Interview bei DAZN aus. Man habe eine Diskrepanz zwischen der Spielleistung und der Leidenschaft, die auf den Platz gebracht worden sei. «Wir müssen ganz klar sagen, dass fünf Punkte zu wenig sind», betonte er. Vier Niederlagen und fünf Unentschieden nach neun Spielen seien etwas, «was uns selber auch nicht gefällt, sondern alarmierend ist».

Bei Union herrschte wegen des Sieges eher Erleichterung als riesiger Jubel. «Wir haben kein schönes Spiel gesehen. Man hat uns die Müdigkeit von Donnerstag noch angemerkt. Es war ein glücklicher Sieg für uns», sagte Rani Khedira. Und sein Teamkollege Robin Knoche gab zu: «Es hätte auch 0:0 ausgehen können.»

Matarazzo hatte für sein 100. Pflichtspiel als VfB-Trainer von seinen Profis unter anderem ein besseres und leidenschaftlicheres Zweikampfverhalten eingefordert – und wurde erhört. Die Stuttgarter waren in der von beiden Seiten durchaus intensiv geführten, aber wenig attraktiven ersten Halbzeit das klar aktivere Team. Zunächst taten sie sich gegen die defensivstarken Gäste allerdings noch schwer, richtige Torgefahr zu erzeugen.

Union Berlin siegt in einer umkämpften Partie

Neuzugang Dan-Axel Zagadou, der in der VfB-Abwehr sein Startelf-Debüt feierte und Pascal Stenzel auf die Bank verdrängte, leistete sich direkt einen leichtfertigen, wenn auch folgenlosen Ballverlust. Der Franzose hatte nach einer Viertelstunde aber auch die erste Chance der Partie und zwang Union-Keeper Frederik Rönnow aus kurzer Distanz zu einer starken Parade. Stuttgarts Hiroki Ito prüfte den Berliner Schlussmann zudem mit einem wuchtigen Freistoß (25.), VfB-Stürmer Guirassy köpfte knapp vorbei (34.).

Die Köpenicker, die bislang sechs und damit die wenigsten Gegentore der Liga kassiert haben, traten im Vergleich zum 1:0-Sieg bei Malmö FF in der Europa League drei Tage zuvor mit drei frischen Kräften an. Darunter war auch Verteidiger Jaeckel, der kurz vor der Pause per Kopf an VfB-Torhüter Florian Müller scheiterte. Ansonsten überließ die Elf von Trainer Urs Fischer das Spiel in der ersten Halbzeit überwiegend den Gastgebern und lauerte auf Fehler. Stuttgarts Waldemar Anton musste nach einem Zusammenprall mit Andras Schäfer mit Kopfverband weiterspielen.

Zu Beginn der zweiten Hälfte intensivierten die Gäste ihre Offensivbemühungen etwas, wirklich gefährlich wurden sie aber nicht. Stattdessen vergab Kapitän Wataru Endo in der 54. Minute eine weitere Chance für die Stuttgarter, die im Gedenken an die unter der Woche verstorbene VfB-Legende Jürgen Sundermann mit Trauerflor aufgelaufen waren. Stuttgarts Mittelfeldkämpfer Atakan Karazor sah kurz später für ein Foul an Genki Haraguchi die fünfte Gelbe Karte der Saison und wird gegen Bochum fehlen.

In der Schlussphase suchte keine der beiden Mannschaften mehr das letzte Risiko, das Kopfballtor von Jaeckel im Anschluss an eine Ecke fiel etwas überraschend – auch, weil es die Ecke nicht hätte geben dürfen. Der VfB versuchte noch mal zu antworten, ein Schuss von Konstantinos Mavropanos landete über Umwege aber nur am Pfosten (79.).

Christoph Lother und Christian Johner, dpa
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