Der Hamburger SV gewann souverän in Braunschweig. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Swen Pförtner/dpa)

Wird das Wunder für den Hamburger SV doch noch wahr? Vor einer Woche war der HSV nach dem 0:1-Frust gegen Holstein Kiel abgeschrieben, plötzlich ist er wieder mittendrin im Aufstiegsrennen der 2. Fußball-Bundesliga – und das vor dem hoch emotionalen Stadtderby am Freitag (18.30 Uhr/Sky) gegen den ungeliebten Nachbarn und neuen Tabellenführer FC St. Pauli.

«Die Stadt gehört uns», sangen die HSV-Fans nach dem souverän herausgespielten 4:0 bei Eintracht Braunschweig und machten deutlich, dass die Tabellenkonstellation beim Spiel des Jahres in Hamburg eher eine untergeordnete Rolle spielt. «Das Lied hat uns sehr, sehr gut gefallen», meinte Mittelfeldspieler Jonas Meffert lächelnd.

Für ihn und seine Mannschaft hat sich noch einmal eine kleine Chance auf Rang drei eröffnet. Durch den eigenen Sieg und dem 1:1 von Fortuna Düsseldorf am Samstagabend bei Schalke 04 beträgt der Rückstand auf die drittplatzierten Rheinländer bei noch drei ausstehenden Partien nur noch vier Punkte.

Foulelfmeter für Schalke zurückgenommen

Die Düsseldorfer hatten auf Schalke auch noch Glück, dass der Vorsprung nicht noch mehr schrumpfte. Ein Foulelfmeter für die Gastgeber in der Nachspielzeit wurde zurückgenommen. Die Fortuna tritt am Freitag parallel zum Hamburger Stadtderby gegen den 1. FC Nürnberg an.

Ein Sieg gegen den FC St. Pauli würde die Chance des HSV auf die Aufstiegs-Entscheidungsspiele gegen den Drittletzten der Bundesliga zumindest am Leben halten. Nebenbei könnte das Team seinen Anhängern möglicherweise auch das Schreckensszenario ersparen, dass der sieben Kilometer entfernte Nachbar ausgerechnet im Volkspark seinen Aufstieg perfekt macht.

Immerhin zeigten die HSV-Spieler nach der schwierigen Woche eine starke Reaktion und spielten gegen die Braunschweiger souverän. «Wir haben sehr erwachsen gespielt», sagte der Ex-Braunschweiger Immanuel Pherai. «Wir können heute endlich mal zufrieden sein.»

Baumgart gereitzt

Wesentlich missmutiger als seine Spieler reagierte Trainer Steffen Baumgart auf Journalisten-Fragen. Offensichtlich hatten dem 52-Jährigen die Zweifel und die Kritik an ihm und seiner Arbeit nach der Niederlage gegen Holstein Kiel missfallen. «Wir haben heute gewonnen. Das nehmen wir gerne mit. Wir freuen uns auf den Freitag. Da wird eine explosive Stimmung sein. Das sollten wir mitnehmen», meinte er gereizt.

Auch beim FC St. Pauli richteten sich nach dem 1:0-Pflichtsieg am Freitag gegen Hansa Rostock schon alle Blicke auf das Duell in den Stadtgrenzen. «Von außen betrachtet wäre es gewissermaßen das perfekte Ende», sagte Paulis australischer Kapitän Jackson Irvine mit Blick auf die Möglichkeit, im Volksparkstadion den sechsten Bundesliga-Aufstieg zu feiern.

Der FC St. Pauli tritt am kommenden Freitag in jedem Fall als Tabellenführer auf und wird erstmals seit 70 Jahren eine Saison vor dem HSV beenden. Holstein Kiel rutschte durch das überraschende 1:3 gegen den Abstiegskandidaten 1. FC Kaiserslautern nach sechs Siegen ohne Gegentor auf Platz zwei zurück und hat nun zwei Punkte weniger als der FC St. Pauli (63 Punkte), fünf mehr als Fortuna Düsseldorf (56) und neun mehr als der HSV.

Trost nach dem Rückschlag bekamen die Kieler von Lauterns Trainer Friedhelm Funkel. «Ich bin fest davon überzeugt, dass diese Mannschaft, dieser Verein endlich aufsteigt. Sie haben es längst verdient», sagte der 70-Jährige. Funkel hatte Holstein Kiel schon einmal den Aufstieg verwehrt. In der Relegation 2021 setzte er sich mit dem 1. FC Köln gegen die Kieler durch.

Von Claas Hennig, dpa
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