Der brasilianische Nationalspieler Vinicius Junior brach während einer Pressekonferenz in Tränen aus. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Oscar J. Barroso/AP/dpa)

Im Kampf gegen den zunehmenden Rassismus in den europäischen Stadien hält Rassismus-Forscher Lorenz Narku Laing Stadionverbote oder gar Gefängnisstrafen für wenig zielführend. Er rät dazu, dass die Sportverbände den Tätern Seminare anbieten: «Es geht nicht nur um Rauswürfe, mehr Polizei in Stadien und Verbote, sondern es geht um mehr Empathie, mehr Fairness, mehr Miteinander, Vergebung und tatsächlich eine emotional persönliche Lernreise der Menschen, die sich da falsch verhalten», sagte der Professor der Evangelischen Hochschule Bochum der Deutschen Presse-Agentur.

Der brasilianische Stürmerstar Vinicius Junior von Real Madrid, häufiger schon Opfer rassistischer Anfeindungen, hatte am Osterwochenende via X, früher Twitter, harte Strafen gefordert, nachdem es zuletzt in Spanien und Italien zu verschiedenen Vorfällen gekommen war: «Rassisten müssen entlarvt werden und die Spiele dürfen nicht mit ihnen auf der Tribüne fortgesetzt werden. Wir werden nur dann gewinnen, wenn die Rassisten die Stadien direkt ins Gefängnis verlassen, den Platz, den sie verdienen», schrieb der 23-Jährige.

Forscher Laing plädierte dagegen für Präventiv-Angebote: «Mein Traum ist eigentlich, dass ein Mann, der in der Kurve eine rassistische Beleidigung loslässt, von seinen Mitmenschen gesagt bekommt, dass das nicht geht. Dann sollte der Fall gemeldet werden und dieser Mensch vom Sportverband ein Seminarangebot zum Thema Rassismus bekommen, damit er wirklich für sich verstehen lernt, was das bedeutet, wie sehr es Menschen verletzt.»

Aktionsspieltage, wie zuletzt von der Deutschen Fußball-Liga organisiert, reichten allein nicht aus, sagte Laing: «Diese Kampagnen sind natürlich der Versuch, dass der Sport eine klare Haltung zeigt. Und Haltung ist wichtig, aber nicht alles.» Im Fußball sei Rassismus «jahrzehntelang toleriert, fast schon normalisiert» worden. Empfindlichere Strafen für die Clubs könnten dagegen eher Abhilfe schaffen, meinte Laing: «Wir müssen tatsächlich darüber nachdenken, ob man Spiele abbrechen soll und zu Ungunsten der rassistisch agierenden Fanblöcke wertet.»

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