Cheftrainer Oliver Glasner kommt zur Besichtigung des Olympiastadions in Helsinki auf das Spielfeld. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Arne Dedert/dpa)

Das, worauf mehr als 10.000 Fans von Eintracht Frankfurt seit der magischen Nacht von Sevilla hinfiebern, war für Filip Kostic nicht mehr reizvoll. Der Leistungsträger fehlt den Hessen im europäischen Supercup-Duell am 10. August (21.00 Uhr/RTL und DAZN) mit dem großen Real Madrid.

Der 29 Jahre alte Serbe fehlt auf eigenen Wunsch – sein Wechsel zu Juventus Turin scheint nur noch Formsache. «Klar ist, dass er die Offensive sehr geprägt hat. Dass wir so einen Spieler verlieren, das ist eine Schwächung, das ist ganz klar», räumte Cheftrainer Oliver Glasner in Helsinki ein.

Die Eintracht träumt vom nächsten Titelcoup

Gefeiert werden soll in der finnischen Hauptstadt trotzdem, die Eintracht träumt vom nächsten Titelcoup. «Wenn wir uns gegen den Champions-League-Sieger durchsetzen würden, hätte das für mich sportlich eine ganz große Bedeutung», sagte der Österreicher, der forsch anfügte: «Das Ziel ist ganz klar: Wir wollen mit der nächsten Trophäe nach Frankfurt kommen.» Gelingen muss dies nun ohne den über links so starken Kostic.

Rund 15.000 Frankfurter Fans werden für das K.o.-Spiel gegen den Königsklassensieger um Toni Kroos, Karim Benzema und Co. im Olympiastadion erwartet. Spätestens mit Anpfiff soll das schmachvolle 1:6 zum Bundesliga-Auftakt gegen den FC Bayern vergessen sein. «Ich bin zuversichtlich, dass wir ein anderes Gesicht zeigen werden», sagte Kapitän Sebastian Rode.

So sieht es auch Torhüter Kevin Trapp, der gegen die Offensive der Königlichen massiv gefordert sein wird. «Wir wissen, es werden zahlreiche Fans da sein. Sie glauben an uns, wir wollen etwas zurückgeben. Die Fans sind ein riesiger Teil dieses Clubs», sagte Trapp.

«Wir werden alles daran setzen zu gewinnen»

Bei der Klatsche gegen die Münchner waren die Hessen nicht mehr als ein hilfloser Sparringspartner. Und der kommende Gegner, der 2021/22 in Serie Paris, Chelsea, Manchester City und Liverpool besiegt hatte, ist das Maß der Dinge. «Es ist die beste Mannschaft in Europa. Wir werden alles daran setzen zu gewinnen», sagte Glasner.

Der Cheftrainer muss sein Team ohne Kostic neu aufstellen. Doch am anstehenden Transfer findet Glasner nicht alles schlecht. «Ich habe auch ein lachendes Auge, weil ich weiß, wie letztes Jahr die Saison begonnen hat, mit Streik. Wir haben dann viele Gespräche geführt. Ich habe zu ihm damals gesagt: Wenn du mal Eintracht Frankfurt verlässt, sollst du das als Held verlassen», sagte Glasner. Nun gehe Kostic «als Held».

Sportvorstand Markus Krösche betonte «den breiten Kader» und «das sehr hohe Vertrauen in die Jungs». Nach einem Streik, mit dem Kostic schon im Sommer 2021 seinen Wechsel hatte erzwingen wollen, spielte er furios auf. «Filip hat sich in der abgelaufenen Saison mustergültig verhalten und einen großen Anteil am Gewinn der Europa League», betonte Krösche. Doch seinen bis Juni 2023 gültigen Vertrag wollte er trotz des Titels und Champions-League-Perspektive nicht mehr verlängern. «Filip hat die Möglichkeit, zu einem großen Club zu gehen», ordnete Krösche ein.

«Können jedem Gegner Probleme bereiten»

Für Glasner dürfte damit eine Posse enden, die er zuletzt schon nur noch schnippisch kommentiert hatte. «Ich habe ihn ausgewechselt, damit er für den Saisonauftakt in Italien topfit ist», antwortete er jüngst nach dem 1:6 gegen die Bayern augenzwinkernd. Auch er dürfte den Abgang bedauern, doch so herrscht rund drei Wochen vor Schließung des Transferfensters immerhin Klarheit. Gegen Real Madrid soll das Hin und Her schon vergessen sein.

«Es liegt in unserer DNA, jedem Gegner Probleme bereiten zu können», sagte Trapp. Besonders in internationalen Spielen. Extraklasse und große Durchhänger hatten sich in der Spielzeit 2021/22 regelmäßig abgewechselt. Durchwachsen lief es aber nur in der Bundesliga mit Platz elf.

Mit großen Gegnern und riesiger Aufmerksamkeit hatte Glasners Team dagegen keine Probleme, wie es im Frühjahr gegen Barça, West Ham United und die Glasgow Rangers auf dem Weg zur ersten internationalen Trophäe seit 1980 eindrucksvoll unter Beweis gestellt hatte. «Wir haben dieses Spiel nicht geschenkt bekommen», merkte Trapp an.

Von Patrick Reichardt, dpa
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