Fordert die Spiele nicht nur zu bestimmen, sondern auch zu gewinnen: Wolfsburgs Trainer Mark van Bommel. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Swen Pförtner/dpa)

Sportlich im Tief, der beste Stürmer mit dem Coronavirus infiziert: Statt in internationaler Festspielstimmung geht der VfL Wolfsburg mit reichlich Sorgen ins richtungsweisende Champions-League-Duell mit Gruppen-Spitzenreiter RB Salzburg.

Beim Versuch, den Ligafrust nach zuletzt drei Niederlagen in Serie vergessen zu machen, kann Wout Weghorst wegen seines positiven Tests nur aus der Quarantäne zuschauen. Das Angreiferduell mit dem begehrten deutschen Jung-Nationalspieler und RB-Torgaranten Karim Adeyemi fällt aus.

Als «komplizierte Situation» bezeichnete Sport-Geschäftsführer Jörg Schmadtke die aktuelle Lage bei den Wölfen nach der jüngsten 0:2-Pleite beim 1. FC Union Berlin. «Fakt ist: Die Darbietungen genügen nicht unseren Ansprüchen», sagte der 57-Jährige dem «Sportbuzzer».

Höchste Konzentration und großer Einsatz gefordert

Wolfsburg ist in der Fußball-Bundesliga derzeit wohl das beste Beispiel, wie schnell aus einem Spitzenteam eine Krisenmannschaft werden kann – zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung. Noch vor gut einem Monat führten die Niedersachsen die Tabelle vor dem FC Bayern München an und starteten voller Selbstvertrauen in die Königsklasse. Nun machen defensive Mängel und mangelhafte Chancenverwertung den VfL-Fans bange.

Es gelte jetzt, «nicht den Kopf in den Sand zu stecken», sagte Mittelfeldantreiber Maximilian Arnold und forderte: «Wir müssen schon mal anders auftreten in der Defensive, weil dann kommt das in der Offensive von ganz allein.»

Gegen den schnellen und trickreichen Angriff des österreichischen Red-Bull-Clubs ist höchste Konzentration und großer Einsatz gefordert. Der unter anderem vom FC Bayern München und Borussia Dortmund umworbene Turbo-Stürmer Adeyemi ist nach einer Pause in der Liga einsatzbereit. «Er ist 100 Prozent fit», sagte Salzburgs deutscher Trainer Matthias Jaissle. «Das am Wochenende war eher eine Vorsichtsmaßnahme.» Adeyemi hat in der österreichischen Bundesliga in dieser Saison in zehn Partien acht Tore erzielt und auch in der Königsklasse schon zweimal getroffen.

«Du musst versuchen, die Mannschaft zum Stehen zu bringen», sagte Schmadtke, «weil sie eben extrem hohes Tempo in ihren Reihen haben. Da musst du kompakt auftreten und solltest vernünftig verteidigen – möglichst im Verbund.»

Eine absolut enge Gruppe

Mit vier Punkten steht Salzburg vor der Partie an diesem Mittwoch (18.45 Uhr/DAZN) an der Tabellenspitze von Gruppe G. Wolfsburg hat zwei Zähler. Als Favorit sieht Salzburgs deutscher Trainer Matthias Jaissle seine Mannschaft dennoch nicht.

«Trotz der Tabellenkonstellation bleiben wir demütig und bescheiden», sagte der 33-Jährige der Deutschen Presse-Agentur. «Wenn man die Marktwerte von uns und Wolfsburg vergleicht, wissen wir schon, welche Ausgangsposition vor diesem Spiel herrscht. Das ist eine absolut enge Gruppe, so wie viele Experten es vorher prophezeit haben.» Der OSC Lille ist mit einem Punkt Tabellenletzter, der FC Sevilla hat wie Wolfsburg zwei Zähler.

Vor allem das Sevilla-Spiel, in dem Wolfsburg nach einem unberechtigten Elfmeter für die Spanier in der Schlussphase noch den 1:1-Endstand hinnehmen musste, ärgert Trainer Mark van Bommel bis heute. «Wenn ich nachdenke über die Videoschiedsrichterentscheidung – dann schießen mir die Tränen immer noch in die Augen, dass wir das Spiel nicht gewonnen haben», sagte er. «So nah liegt es aneinander.»

Van Bommel sieht trotz der Niederlagen zuletzt kein grundsätzliches Problem bei seinem Team: «Es ist nicht so, dass wir schlecht spielen. Im Gegenteil: Wir bestimmen die Spiele, aber wir gewinnen sie nicht.» In Salzburg soll sich das endlich wieder ändern.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

RB Salzburg: Köhn – Kristensen, Onguené, Wöber, Ulmer – Sucic, Camara, Seiwald – Aaronson – Okafor, Adeyemi

VfL Wolfsburg: Casteels – Mbabu, Bornauw, Brooks, Roussillon – Vranckx, Arnold – Baku, Philipp, Waldschmidt – L. Nmecha

Schiedsrichter: Daniele Orsato (Italien)

Von Thomas Eßer und Nils Bastek, dpa
Folge uns

Von