Jamal Musiala (M) musste das DFB-Training abbrechen. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Sebastian Gollnow/dpa)

Der Schreck nach der schmerzhaften Kollision seiner Bayern-Kollegen Jamal Musiala und Thomas Müller war gerade überstanden, da hatte Joshua Kimmich schon wieder Zeit für Ironie und Späßchen. Die große Münchner Krise? Natürlich ist sie auch Thema bei der deutschen Fußball-Nationalmannschaft.

«Absolut, die hauen richtig drauf. Da kriegt man nur Sprüche ab», berichtete Kimmich mit vorgetäuschter ernster Miene nach dem ersten Training auf dem neuen Campus in Frankfurt über Frotzeleien der DFB-Kollegen.

Für das Bayern-Bashing sei vor allem der als Spaßvogel bekannte Ex-Münchner und Neu-Dortmunder Niklas Süle zuständig. «Von Niki hört man ein bisschen was, der kommt so ein bisschen herausgekrochen», witzelte Kimmich. Die Botschaft hinter der Humorattacke lautete: Bundestrainer Hansi Flick muss sich eben keine Sorgen machen, dass die sieben Sieglos-Bayern im Kader ausgerechnet vor den zur großen WM-Generalprobe erklärten letzten Gruppenspielen in der Nations League gegen Ungarn und England zum Problemfall werden.

Musiala hat laut DFB eine «kleine Wunde» am Schienbein

«Jetzt geht es erstmal darum, mit der Nationalmannschaft gut zu spielen», beruhigte Kimmich. Wie wichtig Erfolge seien, habe man gerade beim DFB-Team in der ersten Jahreshälfte erlebt, als – wie jetzt bei den Bayern in der Bundesliga – viermal am Stück kein Sieg gelang. Das 5:2 gegen Italien im Juni war dann eine Befreiung.

Auch DFB-Direktor Oliver Bierhoff sah sich vor der Partie gegen Ungarn am 23. September (20.45 Uhr/ZDF) in Leipzig und dem Klassiker drei Tage später in Wembley gegen England zwangsläufig mit der Frage konfrontiert, ob der Knatsch in München eine Belastung sei. Seine Lösung: Hansi Flick. «Wenn er das macht wie bei den Bayern, kann er das gerne wiederholen», sagte Bierhoff und spielte auf die erfolgreiche Münchner Zeit des Bundestrainers mit sieben Titeln an.

Flick war am Vormittag als einer der Ersten zu Musiala geeilt, als der 19-Jährige mit Schmerzen auf dem Rasen hockte. Väterlich legte er seine Hände auf die Schultern des Teenagers. Eine Grätsche von Müller hatte eine laut DFB «kleine Wunde» am Schienbein verursacht, die vom Teamarzt versorgt werden musste. Musiala fuhr zurück ins Teamhotel. Kein großer Schaden, kam dann schnell die Entwarnung. Es wäre ja auch verhext, wenn die Bayern sich nun auch noch gegenseitig ausknocken.

Am 18. Dezember im Finale stehen

Bayern-Schlussmann Manuel Neuer hatte die Trainingspremiere auf dem Campus mit vielen DFB-Mitarbeitern als Zuschauern wegen eines schmerzenden Zehs verpasst. Der Kapitän soll aber am folgenden Tag wieder ins Training einsteigen, wie Flick mit einer roten Trillerpfeife um den Hals berichtete.

Dem Bayern-Thema müsse man nicht so viel Raum geben, meinte Bierhoff und wiederholte lieber seine großen Ziele: erst der Gruppensieg in der Nations League und dann die Erfüllung des Titeltraums bei der WM. «Was wir uns wünschen, ist klar, am 18. Dezember im Finale zu stehen. Eine deutsche Nationalmannschaft muss immer die Ambition haben, ein Turnier zu gewinnen», sagte Bierhoff. Seine Argumente: «Mentalität, Qualität der Spieler und ein Toptrainer machen mir Hoffnung.»

«Am Ende des Tages geht es um die Ergebnisse»

Bierhoff sieht die DFB-Auswahl nach einem Jahr unter Flick auf «einem guten Weg», das von ihm ausgerufene Ziel «zurück in die Weltspitze» zu erreichen. Abgerechnet wird aber erst in Katar. «Ich spüre diese Wut im Bauch, diese Motivation, diesen Willen, jetzt wieder ein erfolgreiches Turnier zu spielen», sagte der 54-Jährige nach den großen Enttäuschungen bei der WM 2018 und der EM 2021.

Die Nations-League-Partien ernannte Bierhoff zu «einem Gradmesser». Der erste Platz in der Gruppe und die damit verbundene Qualifikation für das Final-Four-Turnier im Sommer 2023 wären aus seiner Sicht «ein Statement» kurz vor dem Katar-Turnier. Auch Kimmich will diese Botschaft senden: «Am Ende des Tages geht es um die Ergebnisse. Das haben wir jetzt auch beim FC Bayern erlebt. Die geben einem dann auch Selbstvertrauen, Selbstsicherheit und ein gewisses Selbstverständnis. Wir wollen die zwei Spiele gewinnen, das ist das absolute Ziel.»

Von Arne Richter und Klaus Bergmann, dpa
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