Die Leipziger bejubeln das Tor zum 1:0. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Marijan Murat/dpa)

Aus dem Freiburger Fanblock flogen Gegenstände, doch die Leipziger ließen sich ihre Halbfinal-Party nach einer Demonstration der Stärke nicht vermiesen. «Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!», skandierten die mitgereisten RB-Anhänger, und die Spieler tanzten dazu auf dem Rasen.

Angeführt vom überragenden Spielmacher Dani Olmo hat der Titelverteidiger im Halbfinale beim überforderten SC Freiburg einen klaren 5:1 (4:0)-Sieg gefeiert und eine beeindruckende Titelform gezeigt.

Angesichts dieser Gala-Vorstellung gehen die Sachsen am 3. Juni im Berliner Olympiastadion als Favorit ins Endspiel. Der Gegner wird im zweiten Halbfinale zwischen dem VfB Stuttgart und Eintracht Frankfurt am Mittwoch (20.45/ARD und Sky) ermittelt. «Wir sind im Finale, und dann wollen wir es auch gewinnen. Aber da wird jemand etwas dagegen haben», sagte RB-Trainer Marco Rose im ZDF: «Wir hatten viel Wucht und Power.» SC-Kapitän Christian Günter haderte über eine «extrem bittere erste Halbzeit» und forderte: «Mund abputzen! In dem Spiel haben wir auf die Fresse bekommen, aber am Samstag geht es weiter.»

Clubs treffen in der Liga erneut aufeinander

Bei der Neuauflage des Finals aus der Vorsaison brachte Olmo (13. Minute) die Gäste in Führung. Danach bereitete der spanische Nationalspieler die Tore von Henrichs (14.), Dominik Szoboszlai (37.) und Christopher Nkunku (45.+1.) allesamt vor. RB-Verteidiger Josko Gvardiol sah in der 58. Minute nach einem Videobeweis wegen einer Notbremse die Rote Karte, doch Leipzigs vierter Finaleinzug stand da praktisch schon fest. Michael Gregoritsch (75.) erzielte nur noch den 1:4-Anschlusstreffer. Szoboszlai (90.+7) stellte den per Foulelfmeter den Endstand her. In der Bundesliga stehen sich beide Teams schon am Samstag wieder gegenüber, dann geht es im direkten Duell um die Qualifikation für die Champions League.

Die zweite Halbzeit wurde überschattet von Vorfällen auf den Rängen. Zunächst wurden die Leipziger Ersatzspieler beim Warmmachen mit Bechern und Münzen beworfen, dann gelang einigen SC-Anhängern der Sprung in den Innenraum. Sie konnten von Ordnern aber wieder zurückgedrängt werden. 

33.300 Zuschauer, darunter auch Bundestrainer Hansi Flick, DFB-Sportdirektor Rudi Völler und DFB-Präsident Bernd Neuendorf, sahen eine Demonstration des Titelverteidigers. «Die Leipziger haben heute gezeigt, was für eine Qualität sie in der Offensive haben», sagte Flick in der Halbzeitpause beim Pay-TV-Sender Sky: «Wie die Tore gefallen sind, das ist schon richtig gut.»

Die Freiburger waren mit reichlich Revanche-Gelüsten ins Spiel gegangen. Man habe wegen des verlorenen Pokal-Endspiels im Vorjahr «noch eine Rechnung offen» und werde «emotional aufgeladen» auflaufen, hatte Stürmer Lucas Höler gesagt. Doch auch RB-Trainer Marco Rose kündigte an, seine Spieler würden «kratzen, beißen, spucken». Was sie dann aber vor allem zeigten: herausragenden Offensivfußball.

Freiburg bekommt Leipzigs Olmo nicht in den Griff

Nach umkämpften Anfangsminuten übernahm Leipzig das Kommando, bei den ersten beiden Toren zeigten sie ihre Klasse: Dem 1:0 durch einen Kopfballtreffer von Olmo war ein unnachahmlicher Sprint von Nkunku und eine maßgeschneiderte Flanke von Marcel Halstenberg vorausgegangen. Beim 2:0 durch Henrichs nach feinem Kombinationsspiel ließ RB die Freiburger Abwehrspieler wie Anfänger aussehen. 

Die Breisgauer waren sichtlich geschockt – und Trainer Streich reagierte. Bereits nach 20 Minuten brachte er Vincenzo Grifo. Mit dem Kreativspieler kehrte etwas mehr Ordnung ins Freiburger Spiel zurück, und RB-Torhüter Janis Blaswich musste an seinem 32. Geburtstag in höchster Not gegen Höler retten (34.). Doch die Gäste blieben mit ihrer enormen Geschwindigkeit und ihrem Spielwitz gefährlich. Auch beim 3:0 nach einem Doppelpass von Olmo und Szoboszlai ging alles zu schnell für die Freiburger. Vor allem Olmo, der auch das 4:0 durch Nkunku vorbereitete, bekam der SC überhaupt nicht in den Griff.

Der Halbzeitpfiff war für Freiburg eine Erlösung. Doch auch dem Seitenwechsel gelang den Breisgauern zunächst wenig, ehe Gvardiols Platzverweis nach einem Foul an Roland Sallai und Gregoritschs Tor für ein wenig Spannung sorgten.

Maximilian Wendl und Jörg Soldwisch, dpa
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