Frankfurts Randal Kolo Muani jubelt nach seinem Treffer gegen Bayer Leverkusen. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Arne Dedert/dpa)

Bayer Leverkusens Torwart Lukas Hradecky verweigerte jeden Kommentar, dafür ließ Kerem Demirbay seinem Frust freien Lauf. «Wir stecken ganz tief in der Scheiße», kommentierte der offensive Mittelfeldspieler mit drastischen Worten die 1:5 (0:1)-Deklassierung bei Eintracht Frankfurt. «Ich habe dafür keine Erklärung, ganz ehrlich. Fakt ist, wir müssen in allen Bereichen extrem zulegen.»

Nach zwei Niederlagen in drei Partien mit acht Gegentoren unter dem neuen Trainer Xabi Alonso steht fest: Der frühere Weltklassespieler kann nicht zaubern.

Alonso: «Man hat jede Woche eine neue Chance»

«Es gibt keine Entschuldigungen. Es gibt keine Ausreden», sagte der 40 Jahre alte Coach am Ende seiner ersten Arbeitswoche kämpferisch und desillusioniert zugleich. Sein Debüt hatte mit einem 4:0 gegen den FC Schalke 04 verheißungsvoll begonnen, doch es folgten die Dämpfer gegen den FC Porto (0:3) in der Champions League und nun in Frankfurt. «Die Situation ist schlecht, wir dürfen nicht an das Ende der Saison denken. Wir müssen weiter daran glauben, wir haben jetzt eine intensive Woche vor uns und müssen weiter arbeiten», sagte Alonso.

Da Bayer 04 mit seinem Vorgänger Gerardo Seoane aus dem DFB-Pokal rausgeflogen ist, hat der Spanier eine ganze Woche bis zum Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg Zeit, seinen hochbegabten, aber nicht harmonischen Kader auf Erfolgskurs zu bringen. «Man hat jede Woche eine neue Chance», sagte Alonso in der Hoffnung auf eine schnelle Wende.

Gegen die Niedersachsen werden die Rheinländer als Tabellen-16. antreten und damit als eines der Kellerkinder mit Abstiegssorgen. Der als Mitfavorit auf den Meistertitel in die Saison gestartete Club ist tief abgestürzt. Dass es Alonso gelingen kann, Leverkusen wieder nach oben zu bringen, glaubt Demirbay: «Ich halte den Trainer für richtig gut.»

Rolfes: «Haben noch viel Arbeit vor uns»

Vom charismatischen Alonso, der als Trainer aber noch ein Novize ist, ist auch Sport-Geschäftsführer Simon Rolfes weiterhin überzeugt. «Er weiß, was er will, worauf er sich konzentriert.» Schon nach wenigen Trainingseinheiten habe der frühere Bayern-Profi «einen guten Input in die Mannschaft gebracht», lobte Rolfes bei Sky: «Aber wir haben noch viel Arbeit vor uns.»

Ob es schnell wieder aufwärts gehen wird mit dem Werksclub, ist nach der deftigen Pleite in Frankfurt fraglich. Hätte die Eintracht die vielen hochkarätigen Chancen in der ersten Halbzeit schon genutzt und nicht nur einen wiederholten Strafstoß durch Daichi Kamada zum 1:0 (45.+4) genutzt, wäre der Untergang vielleicht noch heftiger ausgefallen. Piero Hincapie (56.) nährte zwar die Hoffnung mit seinem Kopfball zum 1:1 – doch danach drehte Eintracht erst richtig auf.

Randal Kolo Muani (58.), Jesper Lindström (65.) und Kamada (72.) mit seinem zweiten verwandelten Foulelfmeter schossen ein 4:1 heraus. Dass am Ende auch noch der bei Bayer ausgemusterte und zur Eintracht gewechselte Lucas Alario (86.) den Schlusspunkt setzte, passte ebenso zum Bayer-Desaster wie die Gelb-Rote Karte für Hincapie, der beide Elfmeter verschuldet hat und gegen Wolfsburg fehlen wird.

Andreas Schirmer und Jana Glose, dpa
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