DFB-Kapitänin Alexandra Popp steht während des Trainings der deutschen Frauen-Nationalmannschaft auf dem Platz. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Sebastian Gollnow/dpa)

Beim gemeinsamen Mittagessen mit dem neuen DFB-Präsidenten wäre der deutschen Teamkapitänin Alexandra Popp am Tisch viel dazu eingefallen, wie man den Frauenfußball hierzulande noch schneller voranbringen könnte.

Aber die 31-Jährige vom VfL Wolfsburg sprach bei Bernd Neuendorf im ersten EM-Trainingslager der deutschen Auswahl in Frankfurt/Main vor allem ein aktuelles Anliegen an. «Natürlich hätte man unglaublich viel anbringen können – aber man muss ja nicht gleich den Rahmen sprengen», sagte Popp bei einer anschließenden Video-Schalte lächelnd.

«Es ging darum, den Frauenfußball in die richtige Richtungen zu bringen, nämlich nach oben. Dass man gerade in unserem letzten Spiel vor der EM in Erfurt da noch einiges bewirken kann, um das Stadion im Optimalfall ansatzweise vollzukriegen», erklärte die Olympiasiegerin von 2016 und 113-malige Nationalspielerin. Neuendorf besuchte am Mittwoch das Team des Rekord-Europameisters, das auf dem neuen Campus des Deutschen Fußball-Bundes trainiert, im Hotel in Gravenbruch.

EM-Test in Erfurt soll Rückenwind bringen

Die Auswahl von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg bestreitet am 24. Juni (17.00 Uhr/ZDF) in Erfurt gegen die Schweiz das einzige Test-Länderspiel vor der EM und erhofft sich dabei möglichst viel Rückenwind. Zuletzt hatte es nämlich im April eine unerwartete Niederlage in Serbien in der WM-Qualifikation gesetzt.

In mintgrünen Trikots schwitzen die deutschen Fußballerinnen diese Woche im so genannten Pre-Camp. Bis auf Popp fehlen allerdings noch die anderen Spielerinnen von Meister und Pokalsieger Wolfsburg. Auch Paris-Profi Sara Däbritz stößt erst beim ersten von zwei weiteren Trainingslagern in Herzogenaurach von nächster Woche an hinzu.

Zwischendurch wird der derzeitige 28er-Kader noch auf 23 reduziert. Mit demonstrativem Selbstbewusstsein trotzen die Spielerinnen der schwierigen Perspektive beim ersten großen Turnier der DFB-Frauen nach drei Jahren. «Bei fünf, sechs Nationen wäre es nicht überraschend, wenn sie den Titel gewinnen. Da wird einiges auf uns zukommen. Das ist auch die besondere Herausforderung, damit umzugehen», sagte Abwehrspielerin Sara Doorsoun von Eintracht Frankfurt. Die 30-Jährige betonte: «Wir wollen den Titel holen – ganz klar.»

«Mit uns ist immer zu rechnen»

Auch ihre Clubkollegin und Torhüterin Merle Frohms unterschreibt diese Aussage «sofort». Und Abwehrspielerin Giulia Gwinn vom FC Bayern sagte: «Mit uns ist immer zu rechnen, wir wollen um den Titel mitspielen.» Trainerin Voss-Tecklenburg will natürlich «ganz weit kommen in diesem Turnier», weiß aber auch: «Wir müssen erstmal die Gruppenphase überstehen.» Der erste Vorrundengegner Dänemark am 8. Juli ist schließlich EM-Zweiter von 2017 – und Spanien (12. Juli) ein ganz heißer EM-Favorit. Am 16. Juli geht’s noch gegen Finnland.

Für Popp kann im Team «ganz, ganz viel entstehen und passieren» bis und bei der EM. Sie hofft, dass dann jede Mannschaft denke: «Oh Gott, da ist Deutschland! Wir müssen jetzt gegen Deutschland spielen!» Den Respekt auf internationaler Ebene habe die DFB-Auswahl, die bei der WM 2019 in Frankreich im Viertelfinale ausschied und Olympia verpasste, in den letzten Jahren allerdings etwas verloren. Popp: «Aber genau da wollen wir wieder hin.»

Von Ulrike John, dpa
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