Die Hertha-Spieler diskusstieren nach dem Schlusspfiff mit Schiedsrichter Frank Willenborg. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa)

Das Last-Minute-Trauma von Hertha BSC raubt Trainer Pal Dardai nun auch noch den Schlaf. Rudelbildung, Gegentor in der siebten Minute der Nachspielzeit, Rote Karte für den Co-Trainer – die Ereignisse des 1:1 (1:0) gegen den FC Augsburg hinterließen bei dem Ungarn Spuren.

«Das war die erste Nacht, in der ich um drei aufgewacht bin», berichtete der 45 Jahre alte Dardai am Morgen. Mit Schlafen war danach nichts mehr. Stattdessen schaute er sich die entscheidende Szene der Partie noch «genau einmal» an: «Das reicht.»

Druck in Berlin wächst

Vor einer Woche musste Dardai die Kritik vom Nachbarn nach der Pleite im Hauptstadt-Derby ertragen, diesmal die Bilder vom Ausgleichstreffer der Gäste im Berliner Olympiastadion praktisch in letzter Sekunde. «Langsam ist es nicht mehr Zufall», betonte Dardai. Gegen den VfL Wolfsburg (1:2) hatte ein spätes Gegentor einen Punkt gekostet, auch Bayer Leverkusen traf beim 1:1 gegen die Berliner spät – wie nun Augsburg. Fünf Punkte mehr wären es auf der Hertha-Habenseite, statt 19 hat der Club aber in 13 Spielen erst 14 Zähler geholt.

Der Druck wächst noch mehr beim Big-City-Club. «Jetzt sind wir in einer Situation, in der wir in Stuttgart nicht verlieren dürfen und gegen Bielefeld gewinnen müssen», sagte der Hertha-Trainer. 20 Punkte bis zur Winterpause bleiben das Ziel.

Doch dazu muss Dardais Mannschaft auch mal einen Vorsprung bis zum Schlusspfiff retten, was nun auch gegen Bayern-Bezwinger FC Augsburg misslang. Die Führung des langjährigen ehemaligen Gäste-Profis Marco Richter nach einem kapitalen Abwehrfehler der Augsburger in der 40. Minute reichte nicht. «Beschissen» sei die Gefühlslage, konstatierte der eingewechselte Hertha-Angreifer Davie Selke, der vor dem Gegentor bei einer Rudelbildung im Mittelpunkt gestanden hatte.

Tumult an der Eckfahne

Aufgebracht waren seine Mitspieler nach einem vermeintlichen Foul an Selke an die Eckfahne des Gegners geeilt. «Alle rasten aus, das darfst du nicht», monierte Dardai direkt nach dem Spiel. Unmittelbar sah er tags danach die verlorene Ordnung nach der Rudelbildung inklusive Roter Karte für Co-Trainer Andreas Neuendorf nicht als Grund für das Tor der Augsburger. Er sprach von einer Fehlerkette. «Die letzte Minute kannst du nicht coachen auf dem Platz», sagte Dardai.

Mehr als einmal konnte und wollte er sich das Kopfballtor des zuletzt im September 2020 beim 3:1-Sieg des FCA gegen den 1. FC Union erfolgreichen Michael Gregoritsch nicht in der Wiederholung anschauen. «Wir haben ein Tor als Geschenk bekommen und haben es dem Gegner zurückgegeben», sagte Dardai.

Denn beim Richter-Treffer hatte sich Augsburgs Robert Gumny den Ball so ungeschickt vorgelegt, dass der Berliner problemlos ins leere Tor einschieben konnte, da gleichzeitig der Keeper der Gäste, Rafal Gikiewicz aus seinem Kasten geeilt war. «Die ganze Mannschaft ist sehr bedient, dass wir wieder in letzter Minute das Spiel hergegeben haben. Das ist traurig, wir hätten den Sieg gerne mitgenommen», sagte Richter, während sich sein ehemaliger Arbeitgeber trotz Abrutschens auf den Relegationsrang am 13. Spieltag über den Punktgewinn mächtig freute.

Remis ein Erfolgserlebnis für Augsburg

Sie hätten Nehmerqualitäten gezeigt, hätten offensiv gewechselt und immer dran geglaubt. «Die Art und Weise, wie wir aufgetreten sind, gibt uns weiter Selbstvertrauen für die kommenden Wochen», sagte Markus Weinzierl. Der Coach des FC Augsburg dürfte deutlich besser geschlafen haben.

Von Jens Marx und Thomas Flehmer, dpa
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