Vor dem Spiel wurde eine Schweigeminute für Franz Beckenbauer abgehalten. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Peter Kneffel/dpa)

Als Franz Beckenbauers «Gute-Freunde»-Lied beim Einlaufen der Mannschaften in der Münchner Fußball-Arena erklang, sangen viele Fans im weiten Rund inbrünstig mit.

Das erste Bundesliga-Spiel des deutschen Rekordmeisters gegen die TSG 1899 Hoffenheim stand ganz im Gedenken des größten deutschen Fußballers, der am vergangenen Sonntag im Alter von 78 Jahren gestorben war.

«Die Lichtgestalt geht auf die letzte Reise – Ruhe in Frieden, Kaiser», stand auf einem Transparent, das die Bayern-Fans vor der Südkurve aufgehängt hatten. Die Trauer und die Erinnerung an Fußball-«Kaiser» Beckenbauer prägten den Vorlauf der Partie.

Die Bayern-Profis trugen rote Trainingsanzüge mit der legendären 5. Auf den Shirts der Einlaufkinder stand ebenfalls Beckenbauers Trikot-Nummer. Unzählige Erfolge als Libero des FC Bayern feierte Beckenbauer mit der 5 – ebenso mit der deutschen Nationalelf, die er 1974 erst als Kapitän und 16 Jahre später als DFB-Teamchef jeweils zum WM-Triumph führte.

«Eigentlich, glaube ich, hätte er sich ein Fußballfest gewünscht», sagte Trainer Thomas Tuchel beim Streamingdienst DAZN, als er während des Aufwärmens seiner Spieler auf die gedämpfte Stimmung im weiten Rund angesprochen wurde. Für Fußball-Freude am Trauerabend wollte er jedoch mit seinem Team nach dem Anpfiff sorgen.

FCB war «fast in einer leichten Schockstarre»

Die Schweigeminute wurde mit Stille, aber auch von Applaus begleitet. Beide Mannschaften trugen Trauerflor. Mit ruhiger Musik war der äußere Rahmen ein anderer als im gewohnten Spielbetrieb. Schon auf dem Weg ins Stadion wurden die Besucher eingestimmt durch das weiß leuchtende «Danke Franz» auf der rot illuminierten Arena-Fassade. Auf der Videowand wurden Erinnerungsfotos von Beckenbauer gezeigt.

«Eine empathische Zeit», nannte der langjährige Bayern-Chef, Teamkollege und enge Weggefährte Karl-Heinz Rummenigge im Fernsehen das Zusammensein mit Beckenbauer. Dieser habe eine «Lässigkeit des Leben» verkörpert. «Der ganze Club war sehr betroffen, fast in einer leichten Schockstarre», bemerkte Rummenigge zum Verlauf dieser Woche.

Eine große Gedenkfeier des FC Bayern, bei dem der gebürtige Münchner als Spieler, Trainer und Präsident zur Legende wurde, mit zahlreichen Ehrengästen aus Politik, Kultur und Sport sowie zahlreichen Weggefährten wird es am Freitag kommender Woche in der Allianz Arena geben. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wird teilnehmen und eine Rede halten. Auch Kanzler Olaf Scholz (SPD) wird dann in München dabei sein.

Von Klaus Bergmann, Christian Kunz und Jens Marx, dpa
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