Springt Union-Profi Rani Khedira (r) auf den WM-Zug auf? (Urheber/Quelle/Verbreiter: Andreas Gora/dpa)

Teenie-Stürmer Youssoufa Moukoko? Klassik-Neuner Niclas Füllkrug? Noch ein Turnier-Comeback des ewigen Mats Hummels? Vielleicht ein zweiter Khedira?

Oder lässt Hansi Flick am Ende Rio-Torheld Mario Götze nach fünf Jahren ohne Länderspiel in Katar doch noch ein weiteres WM-Kapitel schreiben? Beim Rätselraten um den vom DFB  geheim gehaltenen vorläufigen XXL-Kader des Bundestrainers für die Fußball-Weltmeisterschaft sickern gut zwei Wochen vor der endgültigen Nominierung immer mehr Namen durch. 

Neben den vielen gesetzten Stammkräften wie Joshua Kimmich oder Antonio Rüdiger tauchen auf Flicks Liste mit maximal 55 Spielern neben namhaften Schattenmännern und verletzten Wackelkandidaten auch einige Überraschungs- und etliche Streichkandidaten auf. Vor der Meldung des erweiterten Spielerkreises an den Weltverband FIFA am vergangenen Freitag war Flick mit seinem Trainerstab in Klausur gegangen, um alle Eventualitäten abzubilden. «Da geht es um Wenn-dann-Strategien», hatte Flick zuletzt zum Auswahlverfahren gesagt: «Was brauchen wir an Eigenschaften, die ein Spieler mitbringt in gewissen Situationen?»

Die «Bild» veröffentlichte nun 44 Spielernamen, die «definitiv» auf der DFB-Liste stehen sollen. Tatsächlich sind es wohl noch mehr. So führte die Zeitung etwa den jüngst beim 3:3 in der Nations League gegen England debütierenden und von Flick hochgelobten U21-Nationalspieler Armel Bella Kotchap vom FC Southampton nicht in der Rubrik Abwehr auf.

«Werden keine offizielle Liste herausgeben»

«Wir werden keine offizielle Liste herausgeben», hatte DFB-Direktor Oliver Bierhoff angekündigt. Die Niederlande zum Beispiel hatten die 39 WM-Kandidaten von Bondscoach Louis van Gaal veröffentlicht. Flick will erst am 10. November die Namen jener maximal 26 Spieler verkünden, die er auch vier Tage später mit zum WM-Turnier nimmt. Der 57-Jährige hat die eine oder andere Überraschung in Aussicht gestellt. Es könne durchaus sein, «dass wir einen Spieler mitnehmen für den gewissen Moment». 

Als Flick das sagte, ging es um die problematische Mittelstürmerposition. Für den besonderen Moment in Katar könnte vielleicht Dortmunds Youngster Moukoko sorgen, der in dieser Saison beim BVB schon mehrere spezielle Tor-Momente hatte und dessen Potenzial Flick schätzt – auch mit Blick auf die Heim-EM 2024. Moukoko wird übrigens am Tag des WM-Eröffnungsspiels volljährig. Flick könnte «die drei Optionen mehr», die er dank der Aufstockung der WM-Kader auf 26 Akteure besitzt, auch dazu nutzen, neben Moukoko gleich noch Niclas Füllkrug (29) zu berufen. 

Der Bremer steht mit acht Treffern an der Spitze der Bundesliga-Torschützenliste und bringt die Fähigkeiten eines klassischen Neuners mit, die gesetzte WM-Angreifer wie Timo Werner, Kai Havertz, Thomas Müller oder Serge Gnabry so nicht besitzen. «Was Füllkrug macht, hat Hand und Fuß», lobte Flick jüngst nach einer Live-Beobachtung des Angreifers, der seine Treffsicherheit auf internationaler Bühne erst noch nachweisen müsste. Füllkrug könne seinem Team neben «einem sehr guten Lauf vielleicht ein Element geben, das wir nicht haben», meinte Flick.

Bei Hummels (33) und Götze (30) wüsste der DFB-Coach, was er bekommt, auch wenn Flick sie in seiner Amtszeit noch nicht für Länderspiele nominierte. Beim WM-Triumph 2014 in Brasilien, für den Götze mit seinem Siegtor im Finale gegen Argentinien sorgte, war Flick Assistent von Joachim Löw. Mit dabei war damals auch der Gladbacher Christoph Kramer (31), der nun auf Flicks XXL-Liste auftaucht, aber wohl eher als ZDF-Experte nach Katar reisen sollte.

Für alle Mannschaftsteile gewappnet 

Flick hat sich für alle Mannschaftsteile gewappnet, auch wenn Profis wie Robin Knoche und Rani Khedira vom Bundesliga-Primus 1. FC Union Berlin nur bei extremen personellen Engpässen ein persönliches WM-Ticket erhalten dürften. Rani Khedira ist der jüngere Bruder des 2014er-Weltmeisters Sami Khedira. Es gibt aktuell noch einige verletzte Wackelkandidaten wie den Gladbacher Jonas Hofmann, Leipzigs Lukas Klostermann oder den Dortmunder Marco Reus, der nach einem wohl zu frühzeitigen Comeback erneut Probleme am Fuß hat. Auch Leverkusens Jungstar Florian Wirtz (Kreuzbandriss) hat Flick noch auf seinem WM-Zettel notiert. 

Flick will bis zum letzten Moment beobachten, was ihm seine Kandidaten anbieten. «Ich erwarte von jedem Spieler eine Entwicklung. Wir sind noch nicht ganz da, um auf dem Topniveau spielen zu können, wenn es bei der WM in die K.o.-Spiele geht, Achtelfinale, Viertelfinale, Halbfinale, Finale», sagte der Bundestrainer zuletzt.

Die möglichen WM-Kandidaten

Gesetzt: 

Tor: Manuel Neuer (FC Bayern München), Marc-André ter Stegen (FC Barcelona), Kevin Trapp (Eintracht Frankfurt)

Abwehr: David Raum (RB Leipzig), Antonio Rüdiger (Real Madrid), Niklas Süle (Borussia Dortmund), Matthias Ginter (SC Freiburg), Nico Schlotterbeck (Borussia Dortmund), Thilo Kehrer (West Ham United)

Mittelfeld: Joshua Kimmich (FC Bayern München), Leon Goretzka (FC Bayern München), Ilkay Gündogan (Manchester City), Jamal Musiala (FC Bayern München), Serge Gnabry (FC Bayern München), Leroy Sané (FC Bayern München), Thomas Müller (FC Bayern München).

Dabei, wenn fit: Marco Reus (Borussia Dortmund), Jonas Hofmann (Borussia Mönchengladbach)

Angriff: Timo Werner (RB Leipzig), Kai Havertz (FC Chelsea)

Wohl auf der nicht veröffentlichten XXL-Liste des DFB:

Tor: Bernd Leno (FC Fulham), Oliver Baumann (TSG 1899 Hoffenheim)

Abwehr: Benjamin Henrichs (RB Leipzig), Robin Gosens (Inter Mailand), Mats Hummels (Borussia Dortmund), Robin Koch (Leeds United), Lukas Klostermann (RB Leipzig), Robin Knoche (1. FC Union Berlin), Christian Günter (SC Freiburg), Jonathan Tah (Bayer Leverkusen), Luca Netz (Borussia Mönchengladbach), Armel Bella Kotchap (FC Southampton)

Mittelfeld: Florian Wirtz (Bayer Leverkusen), Christoph Kramer (Borussia Mönchengladbach), Mario Götze (Eintracht Frankfurt), Julian Brandt (Borussia Dortmund), Maximilian Arnold (VfL Wolfsburg), Julian Weigl (Borussia Mönchengladbach), Emre Can (Borussia Dortmund), Anton Stach (Mainz), Rani Khedira (1. FC Union Berlin)

Angriff: Karim Adeyemi (Borussia Dortmund), Lukas Nmecha (VfL Wolfsburg), Niclas Füllkrug (Werder Bremen), Youssoufa Moukoko (Borussia Dortmund)

Klaus Bergmann, dpa
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