Argentiniens Spieler feiern mit der Trophäe nach dem 1:0-Sieg gegen Brasilien. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Andre Penner/AP/dpa)

Der lang ersehnte Erfolg mit dem Nationalteam rührte Lionel Messi zu Tränen. Sichtlich ergriffen kniete der argentinische Superstar nach dem 1:0 (1:0) im Finale der Copa América über Brasilien auf dem Rasen des Maracanã-Stadions und bedeckte sein Gesicht mit den Händen.

Wenig später ließen ihn seine Mitspieler auf ihren Schultern hochleben. «Was für ein schöner Wahnsinn. Das ist unglaublich», kommentierte der 34-Jährige den ersten Gewinn einer bedeutenden Trophäe im Nationaltrikot. «Ich glaube, dass sich Gott diesen Erfolg für mich aufgehoben hat – in einem Finale gegen die Brasilianer in ihrem Land.»

Matchwinner Ángel Di María

Dank des Siegtreffers von Ángel Di María (Paris Saint-Germain) in der 21. Minute der Partie ging für Messi ein Traum in Erfüllung. Nach zuvor vier verlorenen Endspielen gab es endlich Grund zum Jubeln. Wie von Lasten befreit umarmte der Weltklassestürmer zahlreiche Teamkollegen und Trainer Lionel Scaloni. Die wenigen argentinischen Fans auf den Tribünen bedachte er mit Handküssen. «Ich war früher traurig. Aber ich wusste, dass es irgendwann passieren würde», schwärmte Messi. «Ich hatte noch keinen glücklicheren Moment als diesen.»

«Champion im Hof des Feindes», kommentierte die Zeitung «La Nación» und feierte Messi: «Es ist passiert. Er weint, ist ungläubig und bewegt. Er fliegt durch den Himmel von Rio, angetrieben von seinen Mannschaftskameraden, die seit frühester Kindheit um die Niederlagen ihrer Mannschaft geweint haben müssen.» Nicht minder pathetisch formulierte es «Olé»: «Dieses Gesicht sagte alles. Jenseits der Schutzmaske war das Glück tausende Kilometer weit zu sehen. Die Freude Lionel Messis ist die Freude von Millionen von Argentiniern.»

Party in der Heimat

Nach dem Abpfiff strömten rund um den Obelisken im Zentrum der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires tausende Fans zusammen, um den Triumph von Rio zu feiern. Sie schwenkten Flaggen und skandierten «Champion, Champion». «Danke Messi, das werden wir dir nicht vergessen», sagte ein Fan im Argentinien-Trikot im Fernsehsender TN. Ein anderer trug seinen kleinen Sohn auf den Schultern. «Für ihn ist es das erste Mal, dass wir Meister sind», sagte der Vater. «Trotz allem, mit dem wir gerade zu kämpfen haben, können wir nun etwas feiern. Es ist der Wahnsinn. Es ist so schön.»

Nachdem er die Copa-América-Trophäe in Empfang genommen hatte, sprach Messi noch auf dem Platz via Telefon mit seiner Familie. Dabei hielt er die goldene Medaille in die Kamera und rief: «Ich habe gewonnen, ich habe gewonnen.»

Messis unglaubliche Karriere

Die letzte Lücke in der imposanten Karriere des sechsmaligen Weltfußballers ist damit geschlossen. Denn bei aller Genialität war ihm ein historischer Sieg mit der Albiceleste bisher verwehrt geblieben. Die im Fußball nicht wirklich bedeutsame Goldmedaille bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking und der U-20-Weltmeistertitel 2005 wurden seinen Ansprüchen nicht gerecht. Aus Frust über die anhaltende Erfolglosigkeit hatte er am 26. Juni 2016 gar seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft erklärt, nachdem Argentinien das Endspiel der Copa América erneut gegen Chile im Elfmeterschießen verloren und Messi dabei einen Elfmeter verschossen hatte. Sein Rücktritt vom Rücktritt nur wenige Monate später sorgte für landesweite Erleichterung.

Der Sieg über Brasilien beendete Argentiniens 28 Jahre währende Durststrecke im Fußball seit dem Copa-Gewinn von 1993. Dazu trug Messi mit vier Toren und fünf Vorlagen maßgeblich bei. Zusammen mit Brasiliens Superstar Neymar wurde er zu den besten Spielern der Südamerika-Meisterschaft gewählt. In jeder Partie hätten sie ihre Fähigkeiten unter Beweis gestellt, die sie zu Spielern mit technischer und taktischer Qualität sowie mit Intelligenz mit und ohne Ball machten, teilte eine Expertenkommission des südamerikanischen Fußballverbandes Conmebol mit. «Es ist unmöglich, nur einen besten Spieler zu küren, denn dieses Turnier hat zwei beste Spieler», hieß es in der Mitteilung.

Ángel Di María im Rausch des Sieges

Ähnlich euphorisch wie Messi feierte Siegtorschütze Di Maria den Triumph über den Erzrivalen. «Wir haben so sehr davon geträumt, das zu erreichen», sagte der Angreifer. Im Rausch des Sieges nahm der 33-Jährige den nächsten Coup ins Visier – und verschwendete keinen Gedanken an einen Rückzug aus der Nationalelf: «Das reicht, um hier weiterzumachen. Die Weltmeisterschaft steht kurz bevor. Das ist ein großer Schub», sagte er mit Blick auf die WM Ende 2022 in Katar. Sein Teamkollege Exequiel Palacios erhielt via Twitter Glückwünsche von seinem Verein Bayer Leverkusen.

Nur wenige Tausend Zuschauer konnten das Endspiel im legendären Maracanã live verfolgen. Die Stadtverwaltung von Rio de Janeiro hatte wegen der Corona-Pandemie nur ein begrenztes Publikum zugelassen. Etwa 4500 Fans und geladene Gäste waren letztlich im Stadion und machten dennoch ordentlich Stimmung. Die argentinischen Medien schwärmten vom Maracanazo II – in Anlehnung an das entscheidende Spiel der WM 1950, in dem Uruguay Brasilien mit 2:1 schlug.

Von Denis Düttmann und Heinz Büse, dpa
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