Die Hoffnung ist wieder groß: Das 4:2 gegen Portugal bringt die DFB in eine gute Position. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Philipp Guelland/EPA Pool/dpa)

Die Stimmung auf der spätabendlichen Rückfahrt von München ins EM-Camp nach Herzogenaurach war in den beiden Teambussen diesmal natürlich viel besser. Erleichterung statt Grübeln. Bestätigung statt Zweifel.

Freude über gleich vier Treffer gegen den hoch gehandelten Europameister Portugal statt Frust über das Mats-Hummels-Eigentor gegen Weltmeister Frankreich. «Wir haben uns echt viele gute Möglichkeiten rausgespielt und hatten ein sehr gutes Tempo. Damit haben wir die Portugiesen in der Defensive einige Male überfordert. Der Sieg geht auch in der Höhe absolut in Ordnung», bilanzierte Joachim Löw zufrieden. Auch der Bundestrainer war ein großer Gewinner beim 4:2-Sieg gegen Portugal.

Eigentor-Doppelpack

Der mit Dynamik und Wucht erzwungene Eigentor-Doppelpack von Rúben Dias (35. Minute) und Raphael Guerreiro (39.) sowie die wunderbar herausgespielten Treffer von Kai Havertz (51.) und dem an allen vier Toren beteiligten Turnierneuling Robin Gosens (60.) haben nicht nur die Ausgangsposition der deutschen Fußball-Nationalmannschaft vor dem Gruppen-Abschluss dieser EM am Mittwoch gegen Ungarn grundlegend geändert, sondern auch die Debatten um Taktik- und Personalauswahl des Bundestrainers bei seinem Abschluss-Turnier gestoppt.

«Es war wichtig für uns, dass wir nach dem verlorenen Spiel gegen Frankreich nicht alles über den Haufen werfen, sondern bei unserer Linie bleiben», bemerkte Champions-League-Sieger Havertz, der wie viele seiner Kollegen in der Münchner Arena ein anderes Gesicht zeigte und die 14.500 Fans im Stadion sowie die Millionen vor den TV-Geräten begeisterte. Für Deutschland war es der fünfte Sieg nacheinander bei großen Turnieren gegen Portugal. Der erste Treffer von Topstar Cristiano Ronaldo gegen das DFB-Team blieb eine Randerscheinung.

«Jetzt sind wir da»

«Jetzt sind wir da», jubelte Mats Hummels bei Instagram: «Was ein geiler Fußballabend mit der Stimmung und dem verdienten Erfolg.» Löw darf sich erst einmal auch persönlich als Sieger fühlen. Kritiker hatten dem 61-Jährigen schon Sturheit vorgeworfen, weil er im zweiten Turnierspiel an der Dreier-Abwehrkette und Joshua Kimmich auf der rechten Außenbahn festhielt. «Wir vertrauen dem Trainer, wir vertrauen dem System. Deshalb sind wir froh, heute das Spiel gewonnen zu haben», betonte Havertz. Jetzt ist sogar wieder der Gruppensieg drin, ein Punkt gegen Ungarn garantiert den Einzug ins Achtelfinale.

Löws Plan mit der bisherigen Turnier-Entdeckung Gosens und dem nur ungern nach rechts gerückten Kimmich ging voll auf. «Beide haben bewusst höher gespielt in der Offensive als gegen Frankreich. Deswegen sind wir oft in den Rücken der Abwehr gekommen, mit sehr guten Pässen da rein, mit Spielverlagerungen», sagte Löw: «Deshalb waren wir gefährlicher. Beide haben das supergut gemacht.»

Gosens: «Emotionales Gefühlschaos»

Der 26 Jahre alte Gosens konnte sein Glück kaum fassen. «Ein emotionales Gefühlschaos, unbeschreiblich, mehr als einer ist mir da abgegangen», beschrieb er seine Gefühlswelt. Sein Mobiltelefon sei «explodiert», berichtete der Linksaußen: «Ich habe es einfach zur Seite gelegt, es freut mich gigantisch, dass sich so viele bei mir gemeldet haben.» Nur seiner Verlobten habe er gleich zurückgeschrieben, die anderen Glückwünsche will er in Ruhe sortieren.

In Herzogenaurach sollen die Spieler nun am Sonntag erst einmal regenerieren. Mats Hummels (wieder Probleme mit der Patellasehne), Ilkay Gündogan (muskuläre Probleme nach einem Schlag an die Wade) und auch Gosens (Adduktoren) werden sich von der medizinischen Abteilung intensiv behandeln lassen. «Aber ich glaube, es ist nichts Dramatisches. Wenn alles gut läuft, wird man das wieder hinkriegen bis nächste Woche», bemerkte der Bundestrainer.

Für vorzeitige Zufriedenheit sieht Löw noch keinen Grund. «Der nächste Gegner steht an. Und die Ungarn haben mit dem 1:1 gegen Frankreich gezeigt, dass sie nicht ungefährlich sind», sagte Löw. «Wir haben jetzt mal einen Sieg eingefahren. Das ist schön. Wir haben es selber in der Hand.» Den Auftrag schloss er gleich an: «Jetzt müssen wir gegen Ungarn nachlegen.»

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