Ist bereit für die EM: Frankreich-Coach Didier Deschamps. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Francois Mori/AP/dpa)

Antoine Griezmann wird als der neue Zidane gehuldigt, der verletzte Karim Benzema hat einen würdigen Vertreter und die Abwehr verweist auf die beste Bilanz seit 13 Jahren. 

Mit breiter Brust und überbordendem Selbstbewusstsein geht Weltmeister Frankreich in die Woche vor dem EM-Auftakt gegen Deutschland. Zwar versprühte auch die EM-Generalprobe gegen Bulgarien (3:0) am Dienstag wenig Glanz, doch die Equipe Tricolore sieht sich voll im Plan und sucht nur noch die Feinabstimmung ihrer fast durch die Bank hochbegabten Elf.

«Sind da, wo wir sein müssen»

«Wir sind da, wo wir sein müssen», sagte Nationaltrainer Didier Deschamps: «Jetzt bleibt noch eine Woche zur Schärfung der Abläufe.» Und auch Linksverteidiger Lucas Hernandez erklärte: «Die Vorbereitung ist gut gelaufen. Gegen Deutschland wird es ein schwieriges Spiel. Aber wir sind motiviert und freuen uns darauf.»

Sein System hat Deschamps bereits gefunden. Und die Defensive hält. Vier Spiele ohne Gegentor gab es für Frankreich zuletzt 2008. Vor einer Viererkette mit extrem hohen Außen, bilden drei zentrale Mittelfeldspieler einen stabilen Block. Vorne wirbelt Griezmann hinter zwei Spitzen.

Der gelernte Stürmer Griezmann, der gegen die Bulgaren per Fallrückzieher das 1:0 erzielte (29.) entfaltet in der ungewohnten Rolle weitere Fähigkeiten. «Er erfüllt mehr und mehr das Profil von Zidane», sagte der langjährige Bayern-Profi Willy Sagnol und erinnerte an Frankreichs Leader beim WM-Triumph 1998 und dem EM-Titel zwei Jahre später: «Er ist die Schaltzentrale des Spiels. Er hält den Schlüssel in der Hand. Er ist die Nummer eins in diesem Team. Der Anfang und das Ende.»

Bayern-Quartett fraglich

Dahinter sind noch nicht alle Plätze vergeben. Auch die vier Bayern-Profis leben zwischen Hoffen und Bangen. Für Hernandez könnte es eng werden, Bayerns Rechtsverteidiger Benjamin Pavard dürfte erste Wahl sein. Im Sturm hat Kingsley Coman kaum Chancen, weil das System nicht zu ihm passt und Kylian Mbappé darin links gesetzt ist. Dafür scheint sich der bis Mai drei Monate verletzte Corentin Tolisso den dritten Platz in der Schaltzentrale neben Paul Pogba und dem im Champions-League-Finale überragenden N’Golo Kanté gesichert zu haben.

«Er ist ohne Zweifel der große Gewinner der Vorbereitung», schrieb das Fachblatt «France Football»: «Seine Vielseitigkeit macht ihn wichtig für die Balance und gibt Pogba und Kanté mehr Freiheiten. Er hat seinen Platz zweifellos gewonnen.»

Vorne sollte eigentlich der nach sechs Jahren zurückgeholte Karim Benzema neben Mbappé vor Griezmann spielen. Doch der 33-Jährige musste nach einem Schlag aufs rechte Bein ausgewechselt werden. Sein Ersatz Olivier Giroud (34) empfahl sich als ältester Doppelpacker der französischen Länderspiel-Geschichte zudem nachhaltig.

Bei Benzema sei es «nichts Dramatisches», sagte Deschamps: «Es gibt Schlimmeres im Leben.» Gleichwohl blieben «Unwägbarkeiten». Wohl dem, der solch eine Bank hat. Giroud habe an einem Abend «mehr gespielt als in den letzten drei Monaten zusammen», sagte Deschamps über den von Kollege Thomas Tuchel bei Chelsea kaum berücksichtigten Routinier: «Aber er hat einfach diesen unglaublichen Torriecher.»

Von Holger Schmidt, dpa
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