Investor 777 Partners ist unter anderem an Hertha BSC beteiligt. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Andreas Gora/dpa)

Zwei Wochen Zeit. Und etwa 50.000 Kilometer Flugdistanz. So viel müsste der Besitzer des neuen Champions-League-Siegers Manchester City einplanen, falls er irgendwann einmal alle seine 13 Fußball-Clubs nacheinander besuchen möchte.

Zur «City Football Group» von Scheich Mansour bin Zayed Al Nahyan aus Abu Dhabi gehören mittlerweile Teams aus fünf verschiedenen Kontinenten: vom Mumbai City FC in Indien über Melbourne City, New York City bis zum FC Palermo in Italien.

Dass eine Person oder Gesellschaft mehrere Clubs besitzt, ist ein auffälliger Trend im Profifußball. In dieser Woche beschäftigt er den europäischen Verband UEFA. Bald könnte er auch die Deutsche Fußball Liga (DFL) erreichen.

In der Praxis wird es schwer

In den Regularien der UEFA steht zwar: Niemand darf in den drei Europapokal-Wettbewerben Champions League, Europa League und Conference League Einfluss auf mehr als einen teilnehmenden Club haben. Denn: «Wenn du zwei Clubs im selben Wettbewerb besitzt, könntest du den einen anweisen, zu verlieren, weil der andere gewinnen soll», sagte Verbands-Chef Aleksander Ceferin erst im März in einem Interview auf dem YouTube-Kanal des früheren Manchester-United-Profis Gary Neville.

Die UEFA selbst hat aber erst im vergangenen Jahr in einer Studie ermittelt, dass weltweit bereits mehr als 180 Clubs zu einer Struktur wie der «City Football Group» gehören. Und damit wird klar: In der Praxis ist die Europapokal-Regel immer schwerer durchzusetzen.

Konkret beschäftigt sich eine Kontrollinstanz der UEFA (CFCB) in dieser Woche mit drei Fällen: AC Mailand/FC Toulouse, Aston Villa/Vitoria Guimaraes sowie Brighton & Hove Albion/Union Saint-Gilloise.

Die amerikanische Investmentfirma RedBird Capital kaufte im vergangenen Jahr nach dem FC Toulouse auch den 19-maligen italienischen Meister AC Mailand. Und Milan qualifizierte sich danach erneut für die Champions League. Toulouse gewann jedoch überraschend den französischen Pokal und erwarb damit eigentlich das Startrecht für die Europa League. Zwei RedBird-Clubs in einer Europapokal-Saison sind jedoch nicht erlaubt.

Manager treten zurück

Um den Regularien gerecht zu werden, traten drei Manager der Firma zuletzt aus dem Vorstand des FC Toulouse zurück. So soll der Eindruck erweckt werden, dass die Besitzer des Clubs keinen Einfluss auf das Tagesgeschäft nehmen. Bis Freitag will die UEFA nun entscheiden, ob ihnen das ausreicht oder die Franzosen aus der Europa League fliegen. Bei den beiden anderen Fällen ist die Sachlage ähnlich.

«Wir müssen die aktuellen Regeln überdenken», sagte Ceferin in Erwartung immer mehr solcher Konflikte. Und viel spricht dafür: Er will die Regeln aufweichen.

Schon für ihren Umgang mit dem sportlichen Präzedenzfall wurde die UEFA 2018 scharf kritisiert: Damals spielten RB Leipzig und der FC Red Bull Salzburg in der Europa League gegeneinander. Der Getränkehersteller Red Bull war von 2005 bis 2015 alleiniger Gesellschafter der Salzburger und hält bis heute 99 Prozent der Anteile an der RasenBallsport Leipzig GmbH. Die UEFA urteilte damals, dass es zwischen beiden Clubs eine ausreichende Entflechtung gegeben habe. Die «Integrität des Wettbewerbs» sei nicht verletzt.

Hertha im internationalen Netzwerk

Das Beispiel Red Bull zeigt jedoch: Trotz der 50+1-Regel, die den Einfluss von Investoren begrenzt, gibt es auch im deutschen Profifußball Vereine, die zu Multi-Club-Konstrukten gehören. Red Bull besitzt noch Teams in Brasilien und New York. Die Investmentfirma 777 Partners stieg in diesem Jahr bei Hertha BSC ein. Die Berliner sind der weltweit siebte Fußball-Club, der den Amerikanern ganz oder teilweise gehört.

In einem NTV-Interview sagte Hertha-Präsident Kay Bernstein am vergangenen Wochenende: «Meine Sozialisierung, meine Prägung, mein Wertegerüst, meine Vorstellung, wie ich mir den Fußball wünsche, haben es nicht leicht gemacht.» Bernstein erkennt aber auch Vorteile dieser Verbindung: «Ein neuer Blickwinkel, ein neuer Austausch und auch neue Reibung.»

Genau diese Synergie sehen viele bei diesem Modell kritisch, andere aber auch als Chance. Mehrere Clubs in einer Hand bedeutet, dass diese Clubs sich gegenseitig bei der Sichtung, Ausbildung und Entwicklung von Spielern unterstützen können. Manche schieben sich diese Spieler aber je nach Bedarf auch weit über oder weiter unter dem Marktwert zu.

Identitätsverlust befürchtet

Die Fans betroffener Vereine fürchten in erster Linie einen Identitätsverlust ihres Clubs. Als die amerikanischen Besitzer des AFC Bournemouth im vergangenen Winter auch beim FC Lorient in Frankreich einstiegen, schrieb eine Ultra-Gruppe in einem offenen Brief: «Es steht außer Frage, dass wir ein vulgärer Satelliten-Club werden, ein einfaches Trainingsgelände für unseren englischen Mutterverein.»

In Deutschland hat die DFL festgelegt, dass in der Bundesliga und 2. Bundesliga niemand «unmittelbar oder mittelbar an mehr als drei Kapitalgesellschaften beteiligt sein darf». Die Volkswagen AG wird diese Grenze bald erreichen. Ihr gehören bereits die VfL Wolfsburg Fußball GmbH und über die VW-Tochter Audi auch 8,33 Prozent der FC Bayern München AG. Noch in diesem Sommer will Porsche beim VfB Stuttgart einsteigen – auch diese AG ist ein Teil des Volkswagen-Konzerns. Ein Problem bekommt die DFL, wenn auch der FC Ingolstadt wieder in die zweite Liga aufsteigen sollte. Denn dessen Anteilseigner heißt Audi.

Von Sebastian Stiekel, dpa
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