Hans-Joachim Watzke ist auch der Aufsichtsratvorsitzende der DFL. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Bernd Thissen/dpa)

Der neue Anstrich an der weißen Wand der Dortmunder Messe wird nicht lange halten. Nur für die Generalversammlung der Deutschen Fußball Liga wurde das rote Logo des kickenden Spielers unter großer schwarzer Schrift angebracht – mit vergänglicher Nutzungsdauer.

Innerhalb der Westfalenhalle richtete sich der mächtige Dachverband dagegen mit langfristig wirksamen Entscheidungen auf die schwierige Zukunft mit Energiekrise, internationalem Konkurrenzkampf und fußballpolitischen Debatten ein.

Watzke betont «große Einigkeit»

«Das war heute sehr gut, mit großer Einigkeit und sehr zielgerichtet, was die großen Herausforderungen angeht, die auf uns zu kommen», sagte Aufsichtsratschef Hans-Joachim Watzke, der wie erwartet in seinem Amt bestätigt wurde. Das «große Signal der Einigkeit» sei dabei «keine Selbstverständlichkeit», jeder Club habe seine eigene Agenda.

DFL-Geschäftsführerin Donata Hopfen sprach von «Zukunftsoptionen» und «Fragestellungen für die Zukunft», mit denen sich die 36 Profi-Clubs «intensiv» beschäftigt hätten. «Wir haben eine sehr gute Diskussion über die nächsten Schritte gehabt.» Während der anschließenden Pressekonferenz ging Hopfen etwas mehr ins Detail, aber nicht zu sehr. Es werde ein «formaler Prozess» für mögliche Partnerschaften gestartet, allerdings «ohne Vorfestlegung». Zuletzt war über die mögliche Beteiligung von Partnern an der Vermarktung der Medienrechte berichtet worden.

Nach Jahren des Wachstums der Medienverträge und dem daraus resultierenden Wohlstand kämpft der deutsche Fußball darum, eben diesen zu erhalten. Besonders die Steigerung der Erlöse aus internationalem Geschäft scheint nötig. Hopfen war zu Jahresbeginn in die großen Fußstapfen von Christian Seifert getreten, der wie Karl-Heinz Rummenigge und Peter Peters zum DFL-Ehrenangehörigen ernannt wurde.

Debatte um 50+1-Regel weiterhin Thema

Das geht nur gemeinsam, von Streitereien und Gezanke wie durchaus bei vorausgegangenen Vollversammlungen der Fall wurde in Dortmund nichts bekannt. Schwelendes Thema bleibt weiterhin auch die Debatte um die 50+1-Regel, die vor zu großem Investoreneinfluss schützt. Im neu gewählten Präsidium sowie im Aufsichtsrat sitzen Clubvertreter mit unterschiedlichen Agenden. Neu im Präsidium ist auch Axel Hellmann von Europa-League-Sieger Eintracht Frankfurt – ob er wie bislang für den Mittelstand spricht, oder sich eher an den Großen orientiert, muss sich zeigen.

«Die Deutsche Fußball Liga hat heute gezeigt, dass von ihr eine große Geschlossenheit ausgeht», sagte Watzke zum Abschluss des drei Stunden andauernden öffentlichen Teils der Generalversammlung an historischem Ort. Im Dortmunder Goldsaal war vor 60 Jahren die Bundesliga gegründet worden.

Neuendorf: «Brauchen ein Entlastungspaket Sport»

DFB-Präsident Bernd Neuendorf nutzte sein Grußwort zur Forderung an die Politik zur Mithilfe bei der Bewältigung der Energiekrise. «Die zu erwartenden Preissteigerungen im Energiebereich werden uns alle über Umlagen treffen. Schlimmstenfalls werden die Plätze komplett geschlossen. Wir müssen jetzt deutlich machen: Die Corona-Fehler aus der Vergangenheit dürfen sich nicht wiederholen», sagte der 61-Jährige. «Die Sportstätten müssen geöffnet bleiben. Wir können nicht schon wieder Kinder und Jugendliche von den Plätzen fernhalten. Die entstehenden Mehrkosten müssen von Bund und den Ländern finanziert werden. Wir brauchen ein Entlastungspaket Sport», sagte Neuendorf.

Hopfen und Watzke betonten erneut, dass der Fußball in der Energiekrise nicht zur «Symbolpolitik» genutzt werden dürfe. Das Thema sei «das höchste auf der Agenda», sagte Hopfen, und Watzke ergänzte: «Wir können signifikant Energie einsparen (…). Wir können 15 Prozent – idealerweise nochmal mehr – Energie einsparen. Wir werden verantwortungsvoll und sinnvoll damit umgehen.»

Keine Modusänderungen der Bundesliga

Der Modus der Fußball-Bundesliga wird sich laut Aufsichtsratschef Watzke «in näherer Zukunft» nicht ändern. «Ich halte nichts davon, das übers Knie zu brechen», sagte Watzke im Anschluss an das Treffen in Dortmund. «Es spricht schon relativ viel dafür, dass derjenige, der nach 34 Spieltagen Meister wird, das auch verdient hat.» Zuletzt war über die Einführung beispielsweise von Playoffs diskutiert worden. Gänzlich ausschließen wollte Watzke Modusänderungen nicht. Möglicherweise werde «irgendwann» gesehen, dass es einer «Ultima Ratio» bedürfe.

Von Jan Mies und Heinz Büse, dpa
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