Torjäger und Trainer: Serhou Guirassy (l) und Stuttgart-Coach Sebastian Hoeneß. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Tom Weller/dpa)

Ob auf dem Rasen, auf der Ersatzbank oder auf der Tribüne – Serhou Guirassy wird wieder mal viele Blicke auf sich ziehen.

Die Einsatzchancen des Torjägers im Heimspiel gegen Borussia Dortmund am Samstag (15.30 Uhr/Sky) waren rund um den VfB Stuttgart diese Woche das Dauerthema. Kein Tag verging ohne neue Spekulationen. Hält der Oberschenkel des 27-Jährigen? Und wenn ja, wie lange? 

Trainer Sebastian Hoeneß erwartete eine Entscheidung auf den letzten Drücker. Man werde aber kein unnötiges Risiko eingehen, kündigte der VfB-Coach an. Die Fragen zu seinem Angreifer überraschten ihn freilich nicht. Guirassy ist immerhin einer der Shootingstars der bisherigen Saison. Und für den VfB laut Hoeneß ähnlich wertvoll wie 15-Tore-Mann Harry Kane für den FC Bayern München. 

14 Tore an acht Spieltagen

14 Tore erzielte der Nationalstürmer Guineas an den ersten acht Spieltagen der Fußball-Bundesliga – dann stoppte ihn eine Muskelverletzung. Seitdem läuft es bei den Stuttgarter Traumstartern nicht mehr ganz so wie geschmiert. In der Liga verloren sie 2:3 gegen die TSG 1899 Hoffenheim und 0:2 beim 1. FC Heidenheim, im DFB-Pokal gelang ihnen dazwischen ein 1:0 über den 1. FC Union Berlin. 

Ist die kleine Delle tatsächlich auf das Fehlen von Guirassy zurückzuführen? Oder war es nicht erwartbar, dass die Erfolgsserie des Fast-Absteigers der Vorsaison irgendwann enden oder zumindest unterbrochen würde? Die Wahrheit liegt vermutlich irgendwo dazwischen. In Summe habe die Mannschaft das Fehlen ihres Offensivstars bislang «gut kompensiert», befand Sportdirektor Fabian Wohlgemuth zuletzt.

«Ein ganz zentraler Spieler»

«Es steht außer Frage, dass Serhou ein ganz zentraler Spieler für uns ist», sagte Hoeneß. Noch dazu einer, der «einen enormen Lauf hatte». Der Coach habe aber «überhaupt kein Interesse daran», die Niederlage im Schwaben-Derby in Heidenheim vergangenen Sonntag dem Ausfall Guirassys zuzuschreiben. Womöglich wäre die Wahrscheinlichkeit auf ein Tor mit dem Knipser größer gewesen. Sein Team habe sich aber auch so viele Chancen erarbeitet, meinte Hoeneß. Und das sei schlussendlich für ihn der wichtigere Gradmesser.

Deniz Undav müht sich nach Kräften, Guirassy im Sturmzentrum gleichwertig zu ersetzen. Die Leihgabe von Brighton & Hove Albion hat einen ausgewiesenen Torriecher, traf sowohl gegen Hoffenheim als auch im Pokal gegen Union. Die Ausstrahlung des acht Zentimeter größeren Guirassy fehlt ihm aber. Dieser ist allein schon durch seine körperliche Wucht eine immense Herausforderung für die Gegenspieler. Zudem wirkte sich das Selbstverständnis, mit dem Guirassy bis zu seiner Verletzung unterwegs war, auch auf die Teamkollegen aus.

Trainer Hoeneß scheut daher auch nicht den Vergleich zu anderen Topstürmern. «Nimmst du bei den Bayern Harry Kane raus, wird es sich über kurz oder lang möglicherweise auch mal bemerkbar machen», sagte er. Gleiches gelte für Victor Boniface und Bayer Leverkusen. «Und bei uns ist es halt Serhou.» Dennoch wolle er es nicht auf den Stürmerstar «abwälzen», dass der VfB zuletzt zweimal verloren hat, erklärte Hoeneß. Und er wird es wohl auch nicht, wenn es ein drittes Mal passiert.

Christoph Lother, dpa
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