Ondrej Duda vom 1. FC Köln jubelt nach seinem Treffer zum 2:0. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Andreas Gora/dpa)

Steffen Baumgart hat vor gar nichts Angst. Nicht einmal vor zu viel Lob für seine Überraschungself. Europapokal mit dem 1. FC Köln? Na klar, wenn es denn klappen sollte.

«Wir wissen das einzuordnen. Wir sind entspannt. Wir werden gewisse Sachen nicht aufhalten. Wir sind erstmal froh über die Punkte, die wir gesammelt haben», brummelte der Geißbock-Trainer nach dem Sprung auf Platz sechs der Fußball-Bundesliga.

Cool, cooler, Köln. Enorm effektiv hat FC seinen Aufwärtstrend fortgesetzt und bewegt sich nach dem 3:1 (2:0) bei Hertha BSC schon in internationalen Zonen. Anthony Modeste (30. Minute), der Ex-Berliner Ondrej Duda (32.) und Jan Thielmann (90.+1) trafen am Sonntag im lausig kalten Olympiastadion zum Rückrunden-Auftakt.

Schwierige Platzbedingungen

Drei Siege in Serie und vier Auswärtsspiele ohne Niederlage hievten die Kölner weit nach oben. «Es waren schwierige Bedingungen, das galt für beide Mannschaften. Wir haben viel von dem umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben», sagte Baumgart bei DAZN und holte sich als persönliches Erinnerungsstück an den Sieg in seiner Wahlheimat das Trikot von Herthas Kevin-Prince Boateng.

Luca Kilian blickte bereits auf das Spiel gegen Branchenprimus FC Bayern am nächsten Wochenende: «Wir versuchen sie wieder zu ärgern.» Auch mit dieser klaren Ansage hatte Baumgart keine Probleme: «Wenn ich mich hinten reinstelle, kann ich genauso den Arsch voll kriegen.» Also: Auch gegen die Bayern soll es mutig nach vorne gehen.

Die glücklose Hertha, für die Vladimir Darida (57.) nur verkürzen konnte, muss eine Woche später gegen die Bayern ran. Doch daran will Trainer Tayfun Korkut jetzt noch nicht denken. Die Serie von fünf Heimspielen ohne Niederlage ist futsch und der Relegationsplatz bleibt als Drohkulisse nur drei Zähler entfernt. «Jetzt müssen wir wieder nach unten gucken und dürfen uns nicht selber anlügen», sagte Verteidiger Lukas Klünter.

Effiziente Kölner

«Wir hatten in der ersten Halbzeit Möglichkeiten, das Tor zu machen. Dann waren wir 0:1 hinten. Das ist schade. Nach dem 1:2 waren wir dran. Wir haben es mit dem Ball gut gemacht, aber in den letzten Aktionen waren wir nicht so ruhig. Wir müssen Ruhe bewahren und dürfen hinten nicht so viele Tore kassieren», sagte Darida.

Die Hertha wirkte organisiert und konzentriert. Bis Maolida (28.) völlig frei an Marvin Schwäbe scheiterte. Der FC-Schlussmann sammelte mit seiner Parade Pluspunkte im von Baumgart ausgerufenen Torwart-Wettstreit mit Timo Horn. Und typisch Hertha: Ein Unglück kommt selten allein. Im Gegenzug fand Mark Uth mit einer tollen Flanke Modeste, der Maolida demonstrierte wie cool man sein muss. Duda legte mit seinem Flachschuss unter freundlicher Mithílfe von Alexander Schwolow schnell nach. Die Hertha-Statik gerät eben schnell ins Wanken.

Einen verletzungsbedingten Wechsel gab es zur Pause. Schiedsrichter Tobias Stieler schied mit einer Oberschenkel-Zerrung aus und wurde durch Alexander Sather ersetzt. Köln spielte solide weiter. Doch diesmal waren die Berliner mit einem Hallo-Wach-Effekt zur Stelle. Daridas Freistoß segelte am diesmal unglücklichen Schwäbe vorbei ins lange Eck. Die Hertha brachte sich aber wieder selbst in Bedrängnis. Schwolow musste einen Risiko-Rückpass von Niklas Stark mit der Hand parieren, den fälligen indirekten Freistoß von Uth (68.) parierte er. Nur vorne hatte die Hertha keine Antwort mehr. Thielmann entschied schließlich mit einem Konter die Partie.

Von Arne Richter, dpa
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