Der BVB muss die 2:4-Niederlage bei Borussia Mönchengladbach verkraften. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Bernd Thissen/dpa)

Die versteinerte Miene von Sebastian Kehl ließ tief blicken. Mit stockender Stimme und ungewohnt langen Sprechpausen rang der Dortmunder Sportdirektor nach den rechten Worten, um den sportlichen Offenbarungseid beim 2:4 (2:3) in Mönchengladbach zu erklären.

«Das ist weit von unserem Anspruch entfernt. Es ist klar, dass uns das ein paar unruhige Wochen bescheren wird», kommentierte er den anhaltenden Absturz des Titelaspiranten aus dem Champions-League-Rennen. 

Nicht minder deprimiert reagierte Fußball-Nationalspieler Julian Brandt auf die zweite bittere Auswärtsschlappe zur Unzeit. «Es tut sehr weh, wenn man vor der Winterpause verliert. Das ist extrem schweres Gepäck. Für mich Kategorie selbst schuld, komplettes Unvermögen.»  

Zum Start in die WM-Pause ist der Betriebsfrieden beim Revierclub empfindlich gestört. Das 0:2 in Wolfsburg und das 2:4 bei Borussia Mönchengladbach binnen vier Tagen hinterließen bei allen Beteiligten mächtig Wirkung. Bis zum Bundesliga-Restart des BVB am 22. Januar wird jeder Blick auf die Tabelle Unbehagen bereiten.

Frust bei Trainer Terzic

Auch Trainer Edin Terzic machte aus seinem Frust keinen Hehl: «Man verzweifelt nicht, aber man ist halt sehr enttäuscht. Jetzt haben wir einen Rückstand, den wir gutmachen müssen. Wir starten nicht bei null, wir starten bei Minus.»

Von der Aufbruchstimmung im vergangenen Sommer, die mit der Rückkehr des bekennenden BVB-Fans Terzic auf die Cheftrainer-Position verbunden war, ist nach 15 Spieltagen mit mehr Schatten als Licht wenig geblieben. Schließlich steht das Team sechs Punkte schlechter da, als unter der Regie von Terzic-Vorgänger Marco Rose zum gleichen Zeitpunkt der vorigen Saison und musste bereits sechs Niederlagen hinnehmen. 

Sportdirektor Kehl sieht großen Handlungsbedarf: «Die letzten beiden Spiele zu verlieren, das geht gar nicht. Wir werden das intern schonungslos analysieren. Es gibt einige Themen, an denen wir arbeiten müssen.»

Die lange Mängelliste schürt die Zweifel, ob die Mannschaft in dieser Saison über die nötige Qualität für einen der ersten vier Plätze verfügt. So offenbarte der BVB auch in Gladbach zum wiederholten Mal bedenkliche Abwehrprobleme und war mit den Gegentoren durch Jonas Hofmann (4.), Ramy Bensebaini (26.), Marcus Thuram (30.) und Kouadio Koné (46.) noch gut bedient. 

Dabei sollte gerade die Defensive mit dem Zukauf der beiden Nationalverteidiger Niklas Süle und Nico Schlotterbeck stabilisiert werden. «Da fehlt mir der Ansatz, das ist nicht zu erklären. Wenn wir so verteidigen, kann man nicht erfolgreich sein», klagte Kehl. Ähnlich ratlos wirkte Brandt: «Mehr einladen als wir heute, kannst du einen Gegner eigentlich nicht.» 

Doch auch die Bilanz im Angriff ist eines Titelaspiranten unwürdig. Der pfeilschnelle, aber weiterhin harmlose Donyell Malen zündet auch in seinem zweiten Dortmunder Jahr nicht. Zudem bleiben die Neuzugänge Karim Adeyemi und Anthony Modeste seit Wochen weit unterhalb des erwarteten Niveaus.

Hoffnung auf Rückkehr von Reus und Co.

Dass der BVB sowohl im Pokal als auch in der Champions League noch im Rennen ist, konnte den Frust über die wachsende Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit nur bedingt schmälern.  

Das für Januar erwartete Comeback verletzter Profis wie Marco Reus, Mahmoud Dahoud, Thomas Meunier oder Jamie Bynoe-Gittens könnte helfen, die Defizite zu beheben. «Wir werden hoffentlich mit dem einen oder anderen Spieler, der zurückkommt, neue Optionen schaffen. Und dann müssen wir wieder angreifen», forderte Kehl. 

Von einer positiven Einstimmung der deutschen Nationalspieler auf die WM in Katar konnte jedoch keine Rede sein. Dennoch wollte sich Torschütze Brandt (19.) die Vorfreude auf das Turnier nicht nehmen lassen. «Bis zur Anreise am Sonntagabend bin ich wahrscheinlich noch extrem angekotzt von allem», bekannte der 26-Jährige, «aber ich kann ja nicht die DFB-Mannschaft dafür verantwortlich machen. Dementsprechend musst du den Schalter finden – das ist manchmal nicht so einfach.» 

Heinz Büse, dpa
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