Gerald Asamoah spricht über Rassismus im Fußball. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Christian Charisius/dpa)

Der frühere Fußball-Nationalspieler Gerald Asamoah erlebt nach wie vor Alltagsrassismus.

«Wir saßen mit einigen Jugendspielern von Schalke zusammen, und einer der Jungs, ein Schwarzer, wurde gefragt: Wo kommst du her?», erzählte der 45-Jährige im Interview des Redaktionsnetzwerks Deutschland. «Und er sagte: Bochumer Straße. Dann kam sofort die Nachfrage: Nein, wo kommst du richtig her? Der Junge hat das gar nicht kapiert.»

Der frühere Bundesliga-Profi, der sich seit Jahren stark im Kampf gegen Rassismus engagiert, appelliert, das Problem immer wieder zu thematisieren. «Die Einstellung mancher 60- oder 70-Jähriger wird man vielleicht nicht mehr ändern, aber wichtig sind die jungen Leute, die müssen wir erreichen. Das Problem ist, dass häufig erst agiert wird, wenn etwas passiert», sagte Asamoah. «Wir müssen noch viel mehr tun, und zwar alle zusammen.»

«Zivilcourage vorzuleben und nicht wegzuschauen»

Die frühere Nationalspielerin Celia Sasic, inzwischen beim Deutschen Fußball-Bund Vizepräsidentin für Diversität und Vielfalt, pflichtete bei: «Genug kann man nie machen bei diesen Themen.» Am Ende liege «es vor allem an jedem Einzelnen, Zivilcourage vorzuleben und nicht wegzuschauen».

Sie selbst habe sich in ihren Vereinen «und im Fußball allgemein immer sehr gut und sicher aufgehoben gefühlt», berichtete die 35-Jährige. «Aber natürlich bin ich auch nicht blind und bekomme mit, was es für Vorfälle gibt. Wir müssen wieder dahin kommen, dass Vereine ein Vorbild für Integration sind und die Kraft dieses Spiels nutzen.» Auch bei der Heim-EM im Sommer «werden Millionen Menschen aus der ganzen Welt zusammenkommen. Das ist eine riesige Chance, um zu zeigen, dass wir die europäischen Werte vorleben», sagte Sasic.

Asamoah zog Parallelen zur Heim-WM 2006, die er als Profi erlebt hat, und die ein sehr positives Bild von Deutschland in der Welt gezeichnet hatte. «Aber ich habe auch nicht vergessen, dass ich einen Monat später als deutscher Nationalspieler im eigenen Land rassistisch beleidigt wurde. Da habe ich mich alleingelassen gefühlt und mir schon die Frage gestellt: War das jetzt nur für vier Wochen so, dass wir uns so gut präsentiert haben?», sagte er. «Deshalb hoffe ich, dass es diesmal nachhaltiger ist.»

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