Feierte einen gelungen Einstand in Leverkusen: Xabi Alonso. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Marius Becker/Deutsche Presse-Agentur GmbH/dpa)

Den besten Bundesliga-Einstand eines Trainers von Bayer Leverkusen hat Xabi Alonso schon mal in der Tasche. Darauf einbilden wollte sich der spanische Weltstar nach seinem ersten Spiel bei einem größeren Club aber nichts.

Alonso wusste selbst, dass der Gegner FC Schalke 04 beim 4:0 (2:0) Bayers am Samstag wahrlich kein Gradmesser war und kein Bundesliga-Format hatte. «Wir sind zufrieden für zwei Tage Arbeit, aber es war nur ein Spiel. Wir können noch viel verbessern», sagte der 40 Jahre alte Baske nach seinem Traum-Einstand als Bundesliga-Trainer. Einen höheren Sieg hatte bislang noch kein Coach in seinem ersten Spiel auf der Bayer-Bank eingefahren.

Das ließ selbst Rudi Völler rund 1400 Kilometer weiter südlich in dessen zweiter Heimat Rom nicht kalt. «Schöner Einstand», sagte der frühere Bayer-Sportchef am Rande einer Veranstaltung im Goethe-Institut in Rom. «Das war wichtig für uns. Es waren schwierige Wochen, deshalb atmen wir jetzt alle mal ein bisschen durch.»

Mit der Verpflichtung Alonsos hatten die Bayer-Verantwortlichen um Clubchef Fernando Carro und Völlers Nachfolger Simon Rolfes am Donnerstag aufhorchen lassen. Einen Tag zuvor hatte sich der ambitionierte Werksclub schweren Herzens wegen des desolaten Saisonstarts von Vorgänger  Gerardo Seoane getrennt. In der Liga taumelte Bayer bis Samstag auf einem Abstiegsplatz, im DFB-Pokal ist Leverkusen bereits ausgeschieden und durch das 0:2 am Dienstag beim FC Porto droht auch in der Champions League das Aus.

Mutiger und riskanter Schritt

Um den Absturz in die sportliche Bedeutungslosigkeit mit einem toll besetzten Kader entgegenzuwirken, wagten Bayer und Rolfes einen mutigen und riskanten Schritt.  In Alonso holten sie zwar einen Weltstar in die rheinische Provinz. Sie setzten dabei aber vor allem auf dessen Aura und fußballerischen Sachverstand. Denn als Trainer hat Alonso noch nicht viel mehr als zwei Jahre bei der zweiten Mannschaft von Real Sociedad San Sebastian vorzuweisen. Eindruck machte Alonsos Präsenz in der Bayer-Kabine bei den Spielern aber. «Das war schon ein kleiner Wow-Effekt», sagte Mittelfeldspieler Robert Andrich. «Aber man muss das auch relativieren. Der Spieler war der Spieler und der Trainer ist der Trainer.»

Und der Trainer war sichtlich angespannt bei seiner Bundesliga-Rückkehr. Engagiert, gestenreich und permanent stehend dirigierte der einstige Stratege sein Team. «Das werde ich jetzt immer so machen», kündigte er lachend an. Erst nach dem Spielende wirkte Alonso gelöst und cool.

Schalke zur richtigen Zeit

Für den Spanier kam Schalke als Gegner genau zur richtigen Zeit. Leverkusen genügte eine durchschnittliche Leistung für den deutlichen Triumph. «Es ist immer noch Luft nach oben. Denn Schalke hat uns – ohne respektlos klingen zu wollen – schon viele Räume gegeben», sagte Andrich. Ein desaströses Abwehrverhalten und eine nicht vorhandene Spielidee endet derzeit in einem unansehnlichen Gebolze – kein Wunder, dass beim  Aufsteiger Trainer  Frank  Kramer nach nur drei Monaten  schon  wieder vor dem Aus steht. «Wir haben schon gemerkt, dass Schalke kein Fußball spielen wollte», sagte Andrich noch. 

Den tollen Einstand muss Alonso nun bestätigen – bereits am Mittwoch wieder in der Champions League erneut gegen Porto. Da sollte ein Sieg her, wenn die Rheinländer auch im  kommenden Jahr noch in der Königsklasse spielen wollen, die  Alonso als Spieler zweimal gewann. «Wir waren heute konzentriert, aber das müssen wir immer zeigen. Mittwochs und Samstags – immer», definierte Alonso seinen neuen Maßstab.

Von Carsten Lappe, dpa
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