Fordert Wiedergutmachung: Dortmunds Steffen Tigges. (Urheber/Quelle/Verbreiter: David Inderlied/dpa/Archivbild)

Nur nicht wieder eine Lehrstunde! Für Borussia Dortmund wird das zweite Duell mit Ajax Amsterdam zu einer Frage der Ehre. Nach der historischen 0:4-Abreibung vor zwei Wochen beim niederländischen Meister sinnt der Bundesliga-Zweite auf Revanche.

«Wir müssen Wiedergutmachung betreiben», forderte Angreifer Steffen Tigges vor dem brisanten Rückspiel gegen den bisher ungeschlagenen Tabellenführer der Gruppe C am Mittwoch (21 Uhr/DAZN). Nicht minder kämpferisch klang Abwehrchef Mats Hummels: «Ich bin mir sehr, sehr sicher, dass wir ein ganz anderes Gesicht an den Tag legen werden.»

Dortmund will mutiger agieren

In der Hoffnung auf eine markante sportliche Antwort der Borussia gegen das zuletzt hochgelobte Team seines Trainerkollegen Erik ten Hag gab Marco Rose die Richtung vor: «In der ersten halben Stunde war es ausgeglichen. Aber hinten raus haben sie uns richtig leiden lassen. Soweit dürfen wir es nicht wieder kommen lassen», sagte der Dortmunder Fußball-Lehrer. «Du musst besser und mutiger Fußball spielen als wir es in Amsterdam getan haben. In dem Moment, wo wir selbst den Ball haben, können sie uns nicht wehtun.»

Doch ähnlich wie bei den Dortmundern dürfte die Motivation auch bei den Gästen (9 Punkte) hoch sein. Schließlich wären sie mit dem vierten Sieg sicher im Achtelfinale und könnten in den restlichen zwei Gruppenspielen Personal schonen. Dagegen hätte der BVB (6) in diesem Fall seine bisher gute Ausgangslage verspielt. Sporting Lissabon (3) würde bei einem weiteren Sieg über den bisher chancenlosen Gruppenletzten Besiktas Istanbul (0) mit dem Revierclub gleichziehen. Damit würde der Auftritt der Borussia am 24. November in der portugiesischen Hauptstadt zu einem Finale um Gruppenrang zwei und Zusatzeinnahmen in Höhe von mindestens zehn Millionen Euro.

Hoffnung für das neuerliche Kräftemessen mit Ajax macht die bisher positive Reaktion des Teams auf die vielbeachtete Schlappe in der Johan-Cruyff-Arena. Denn der befürchtete Folgeschaden ist bisher ausgeblieben. Es spricht für die Moral des BVB, dass danach zwei Siege in der Bundesliga gegen Bielefeld (3:1) und Köln (2:0) und ein Erfolg im DFB-Pokal gegen Ingolstadt (2:0) folgten. «Ich habe keine Verunsicherung in der Mannschaft ausgemacht. Sie ist stabil geblieben. Vertrauen für Mittwoch sollte wieder genügend da sein», kommentierte Rose.

Weiterhin kein Haaland beim BVB

Doch mit einer durchwachsenen Leistung wie am vergangenen Samstag gegen Köln ist einem Klasseteam wie Ajax Amsterdam wohl kaum beizukommen. «Es war wichtig, dass wir die drei Punkte geholt haben. Aber wir wissen, dass es gegen Ajax einer Steigerung bedarf», befand Sportdirektor Michael Zorc in der «Westdeutschen Allgemeinen Zeitung».

Auf Hilfe von zuletzt fehlenden Leistungsträgern wie Erling Haaland, Raphael Guerreiro oder Mahmoud Dahoud kann BVB-Coach Rose jedoch nicht zählen. Im Vergleich zum Köln-Spiel kehrt nur Dan-Axel Zagadou in den Kader zurück.

Trotz der anhaltenden Personalprobleme beim BVB mit acht Verletzten und trotz des deutlichen Sieges in Amsterdam geht Ajax-Coach ten Hag mit großem Respekt in die Aufgabe: «Für mich ist Dortmund immer noch Favorit. Ich rechne mit einem anderen Dortmund. Wir müssen noch besser sein als in Amsterdam, weil Dortmund sich revanchieren will.»

Das Duell gilt als Hochrisikospiel

Wie der Coach glaubt auch Ajax-Torjäger Sébastien Haller, der in nur drei Gruppenspielen bereits sechs Mal traf, mit mehr Gegenwehr: «Durch die Unterstützung ihrer Fans wird es für uns deutlich schwerer. Wichtig wird sein, taktisch den Dortmundern Paroli zu bieten und ihnen mit Kontern wehzutun», sagt der ehemalige Frankfurter dem «Kicker».

Eine besondere Herausforderung ist die Partie nicht nur für die Borussia, sondern auch für Dortmunder Polizei. Sie stufte das Duell als Hochrisikospiel ein und kündigte konsequentes Vorgehen an. Demnach sollen die Fan-Lager strikt getrennt werden. «Gewalttäter werden unmittelbar der strafrechtichen Verfolgung zugeführt und können in keinem Fall damit rechnen, das Spiel im Stadion sehen zu können», hieß es in einer Mitteilung.

Von Heinz Büse, dpa
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