U21-Nationalspieler Ridle Baku (M.) setzt sich im EM-Halbfinale im Zweikampf gegen den Niederländer Ferdi Kadioglu (r) durch. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Marton Monus/dpa)

Stolz ist Stefan Kuntz auf die Entwicklung seiner U21 schon vor dem Final-Showdown.

«Wenn sie das noch einmal zeigen, dann bin ich emotional nicht zu halten vor Lob für diese Jungs», sagte der deutsche U21-Nationaltrainer vor dem EM-Endspiel gegen Portugal am heutigen Sonntag (21.00 Uhr/ProSieben) in Ljubljana. In sein drittes EM-Finale in Serie geht der Coach mit seinen U21-Fußballern optimistisch – und mit dem klaren Titel-Ziel vor Augen. «Natürlich bin ich ehrgeizig und möchte jedes Spiel gewinnen», sagte Kuntz.

Auch für Führungsspieler Ridle Baku hat das Endspiel eine «gewisse Brisanz». «Du hast die Möglichkeit etwas zu gewinnen. Dafür spielt man ja Fußball», sagte er. «Ich werde alles dafür geben, als Sieger vom Platz zu gehen.» Gewonnen hat die deutsche Nachwuchs-Mannschaft aus Sicht von Kuntz aber schon vor dem Endspiel. «Dass ich stolz bin, dass wir ins Finale eingezogen sind und die Erwartungen übertroffen haben, das kann ich nicht verhehlen», sagte der Europameister von 1996.

Die Fakten zum EM-Finale:

GEGNER: Der frühere Linksverteidiger Rui Jorge trainiert die U21 Portugals bereits seit dem Jahr 2010. «Wir haben Teams wie England, Spanien und Italien geschlagen – diese Generation ist auf einem exzellenten Weg», sagte der Coach. Als Starspieler glänzte bei der EM vor allem Vitinha. Der Profi vom FC Porto lief zuletzt als Leihspieler für die Wolverhampton Wanderers auf. Portugal könnte das zweite Team werden, das jedes Spiel bei einer U21-EM-Endrunde gewinnt, seit im Jahr 2000 das Turnierformat mit Gruppenphasen eingeführt wurden. Das schaffte zuvor nur Spanien im Jahr 2013.

BILANZ: Deutschland verlor die letzten fünf U21-Länderspiele gegen Portugal, gegen kein anderes Team gab es seit der Jahrtausendwende mehr Niederlagen. Das 0:5 gegen Portugal im Halbfinale der EM 2015 war die höchste Niederlage in der Geschichte der deutschen U21.

PERSONAL: «Alle sind fit», verkündete Kuntz am Abend vor dem Endspiel. Mögliche Wechsel in seiner Startformation im Vergleich zum 2:1-Sieg im Halbfinale gegen die Niederlande ließ er offen. Maximal fokussiert wollen Kuntz und sein Team die «Aufgabe, einen sehr starken Gegner zu besiegen», angehen. Kuntz freut sich vor allem über die letzte «besondere Bühne» für seine U21-Jungs.

ABSCHLUSS: An die ersten Partien mit der aktuellen U21 vor knapp zwei Jahren kann sich Kuntz noch bestens erinnern. «Natürlich bist du am Anfang immer pessimistisch und denkst, was soll ich daraus machen», berichtete er schmunzelnd. «Aber es ist ja was draus geworden.» So oder so soll es am Sonntagabend nach dem Endspiel im Teamhotel mit den angereisten Familien und Freunden einen gemeinsamen Abschluss für die Mannschaft geben. «Das wäre natürlich eine schöne Sache, wenn du das Finale gewinnst und mit der Familie feiern kannst», sagte Baku.

OLYMPIA-VORFREUDE: Ungeachtet des Ausgangs des Endspiels hat der Auftritt der U21 Hoffnungen auf olympisches Edelmetall geweckt. Dann kann Kuntz auf einen größeren Spielerkreis und auch ältere Akteure zurückgreifen. Die Planungen des Aufgebots will der 58-Jährige direkt nach der EM in Angriff nehmen. «Da werden wir relativ frühzeitig in Kontakt treten, damit es nicht eine Kurz-vor-zu-Lösung wird und du nicht weißt, mit wem du nach Tokio fliegst», kündigte Kuntz an. Nach drei Final-Einzügen in Folge mit der U21 wird dem Erfolgscoach auch mit dem Olympia-Team Edelmetall zugetraut. 2016 gab es Silber nach einer Finalniederlage gegen Brasilien mit Neymar.

Von Miriam Schmidt und Christian Kunz, dpa
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