Die Wölfinnen um Alexandra Popp (l) mussten sich trotz einer 2:0-Führung geschlagen geben. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Swen Pförtner/dpa)

Mit dem Schlusspfiff fielen die Wolfsburger Fußballerinnen auf den Boden, einige vergruben ihr Gesicht in den Händen oder weinten wie Kapitänin Alexandra Popp. Barcelonas Spielerinnen tanzten dagegen ausgelassen, von ihren lautstarken Fans bejubelt.

Nach einem spektakulären 3:2 (2:0) feierten die Katalaninnen ihren zweiten Triumph in der Champions League. Dem VfL reichte dagegen eine 2:0-Pausenführung nicht zum dritten Titel nach 2013 und 2014. «Wir waren so nah dran», sagte Svenja Huth im ZDF. «Es tut gerade richtig weh.»

«Es ist super ärgerlich, weil wir viel investiert haben und ich glaube, dass wir mehr verdient hätten», sagte Kathrin Hendrich: «Auf der anderen Seite ist Barça auch der verdiente Sieger.» Insgesamt sei das Finale ein «überragendes Erlebnis» gewesen, meinte die Abwehrspielerin, «es war einfach Gänsehaut pur. Die Fans waren so laut – an denen hat es heute auf jeden Fall nicht gelegen».

Mitgereiste Wolfsburger Fans spenden Applaus

Als die ersten Tränen getrocknet waren, bildeten die VfL-Spielerinnen einen großen Kreis. Trainer Tommy Stroot versuchte, seine tapfer kämpfende Elf zu trösten, bevor die Spielerinnen von den über 4600 mitgereisten Wolfsburger Fans applaudierend verabschiedet wurden. Der VfL habe den deutschen Fußball in Europa «ein weiteres Mal herausragend vertreten», sagte DFB-Präsident Bernd Neuendorf: «Dieses Finale war der würdige Abschluss einer fantastischen Saison im Frauenfußball in Deutschland.» Bei der WM vom 20. Juli bis 20. August wolle man diese Erfolgsgeschichte mit vielen Wolfsburgerinnen im Kader fortschreiben.

Nach Wolfsburger Toren von Ewa Pajor (3. Minute) und Alexandra Popp (37.) drehte der spanische Meister in Eindhoven vor 34.147 Zuschauern noch das Spiel. Patricia Guijarro (48./50.) und die frühere Wolfsburgerin Fridolina Rolfö (70.) schossen ihr Team zum zweiten Königsklassen-Titel nach 2021.

«Das tut schon extrem weh, wenn man sehr viel richtig gemacht hat», sagte Stroot. Auch er habe nach dem Spiel erst mal schlucken müssen. «Wir hatten Barca genau da, wo wir sie haben wollten», sagte Stroot über das 2:0 zur Pause. Nach dem Wechsel hätte seine Elf eine kurze Ruhephase benötigt, «und schwups stand’s dann eben 2:2.» Die beiden Tore schrieb er auch der «Wucht und Qualität» des Gegners zu.

Wolfsburger Matchplan geht zunächst auf

«Wir mussten aufwachen, optimistisch sein und erkennen, dass noch 45 Minuten übrig waren», erklärte Barças Coach Jonatan Giráldez die Herangehensweise der Spanierinnen. «Vielleicht war der Halbzeitstand ungerecht, weil wir so viele Chancen heraus gespielt hatten und das Spiel so verlaufen war.» Sein Team habe nach dem frühen Rückstand aber eine gute Reaktion gezeigt.

Für die Grün-Weißen lief zunächst alles nach Plan. Gerade mal drei Minuten waren vergangen, da klaute Ewa Pajor Barcelonas Abwehrspielerin Lucy Bronze den Ball. Sie lief ein, zwei Schritte und hielt aus 18 Metern voll drauf. Ein Traumtor, auch wenn FCB-Torhüterin Sandra Paños das Geschoss fast noch um ihren Kasten gelenkt hätte.

Nach Pajors neuntem Tor im laufenden Wettbewerb bildeten alle zehn Feldspielerinnen des VfL einen Jubelkreis. Fast so, als wollten sie sich auf die folgenden Attacken der Blaugrana einschwören. Die folgten prompt, denn die Angriffslust des spanischen Meisters hatte das Gegentor nur bedingt getrübt. Spielerisch hatte die Elf von Trainer Jonatan Giráldez Vorteile, kombinierte teils ansehnlich und flink nach vorn. Selbst beste Gelegenheiten ließen die favorisierten Katalaninnen zunächst aus.

Einige brisante Situationen überstanden die VfL-Spielerinnen zunächst, wobei der Matchplan von Trainer Stroot insgesamt gut aufging. Vor allem die Ex-Wolfsburgerin Caroline Hansen hatten die Grün-Weißen meist gut im Griff, so blieb Barças normalerweise starke rechte offensive Seite flügellahm.

Popp trifft per Kopf zur 2:0-Führung

Vor dem Spiel hatte Anführerin Popp gesagt, man wolle mit «deutscher Art» dagegenhalten. Was das genau hieß, zeigte sie selbst in der 37. Minute: Pajors scharf getretene Flanke wuchtete die Kapitänin per Kopf ins Netz – zweite Chance, zweites Tor. Mit deutscher Effizienz gegen den spanischen Zauber, das beeindruckte auch das Publikum. «Hier regiert der VfL», skandierten die Fans des deutschen Vizemeisters, die nun obenauf waren. Von Barcelonas Anhänger folgten trotzige «Barça, Barça»-Rufe.

Unten auf dem Platz raffte sich Barcelona ebenfalls, quasi mit dem Halbzeitpfiff rettete Frohms aus kurzer Distanz stark gegen Salma Paralluelo. Kurz darauf applaudierten die VfL-Fans ihrem Team herzlich, mit einem 2:0 zur Pause hatten wohl die wenigsten gerechnet.

Barcelona dreht nach der Pause auf

Eher mit dem, was nach der Pause folgte: Ein feines Tänzchen von Hansen, die gleich drei VfL-Spielerinnen narrte und den Ball punktgenau Guijarro in den Fuß schob. Der Rest war Formsache, 1:2. Und bevor sich die Wölfinnen richtig ärgern konnten, stand es schon 2:2. Diesmal traf Guijarro per Kopf. Das Stadion lärmte, Stroot verschränkte die Arme. Der schöne Vorsprung – verspielt.

Die Spanierinnen wirkten nun noch leichtfüßiger, verteilten auch mal Beinschüsse und hatten sichtlich Spaß. Wolfsburg kämpfte und konterte. Pajor vergab die erneute Führung nach einem Gegenstoß, was sich prompt rächte. Lynn Wilms schoss beim Klärungsversuch im eigenen Strafraum Abwehrkollegin Kathrin Hendrich an, über Umwege kam der Ball zu Rolfö, die zum 3:2 vollendete.

In der Schlussphase probierte der VfL vieles, wirkte aber auch ausgelaugt von einer intensiven Partie. Barcelona hielt die Stroot-Elf clever vom eigenen Tor fern. In der Schlussphase wurden die Zweikämpfe immer hitziger geführt.

David Joram, dpa
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