Bochums Torwart Manuel Riemann (l) jubelt nach seinem Tor im Elfmeterschiessen. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Fabian Strauch/dpa)

Dankbar und im Jubel über den Achtelfinal-Einzug stimmte Manuel Riemann mit den Fans einen ungewöhnlichen Sprechchor an: «Michael Esser, Michael Esser», riefen der Bochumer Torwart und die Zuschauer in der Fankurve immer wieder.

Das Besondere: Michael Esser ist ebenfalls Torwart beim VfL und damit eigentlich Konkurrent von Riemann. Beim Sieg im Elfmeterschießen im DFB-Pokal gegen den FC Augsburg traten die beiden Keeper jedoch gewissermaßen als geniales Duo auf, das sich die Arbeit teilte.

Erst verhinderte der eigentliche Ersatzkeeper Esser mit starken Paraden beim 2:2 nach Verlängerung weitere Gegentore, dann wurde Riemann im Elfmeterschießen zum Matchwinner. Zwar hielt der 33-Jährige keinen Augsburger Schuss, verwandelte jedoch selbst nervenstark den entscheidenden fünften Bochumer Elfmeter. «Torschütze unser Schnapper mit der Nummer 1: Manuel Riemann» – mit diesen Worten feierte der Stadionsprecher im altehrwürdigen Ruhrstadion den Pokal-Helden und heizte die Party an.

Für Showdown eingewechselt

Riemann selbst gab sich im Interview cool. «Dass ich einen ganz guten rechten Fuß habe, ist glaube ich bekannt», sagte er der ARD. «Es sind nur elf Meter. Ich war mir ehrlich gesagt ziemlich sicher.» In der 103. Minute habe er erfahren, dass er für den Showdown vom Punkt eingewechselt werden soll, erzählte Riemann. «Ich bin dann unten in die Kabine, habe mir noch ein paar Elfmeter angeguckt und habe mich ein bisschen warm gemacht», schilderte er.

Im Doppel-Interview mit «Sky» wollte er sich selbst nicht zu sehr in den Mittelpunkt stellen. «Das ist eigentlich der Mann, dem Dank gebührt», sagte er an Esser gerichtet, während im Hintergrund Herbert Grönemeyers «Bochum» aus den Stadionboxen schallte. «Er hat es überhaupt möglich gemacht, dass ich noch reinkommen musste.»

Esser, der in der vergangenen Saison noch Stammtorwart bei Hannover 96 gewesen war, spielte erstmals in einem Pflichtspiel in dieser Spielzeit von Beginn an. «Als ich hier hin gekommen bin, habe ich gesagt, dass es mir eigentlich egal ist, ob ich spiele oder nicht», sagte der 33-Jährige. «Wenn wir am Ende die Klasse halten, ist alles super.»

VfL auf Euphoriewelle

Mit ihrem gemeinsamen Auftritt stützten Esser und Riemann eine These, die Bochums Trainer nach dem Spiel aufstellte. «Wir sind als Mannschaft in den letzten Wochen sehr zusammengewachsen», sagte Thomas Reis. «Im Moment sind wir auf einer Euphoriewelle, wo viele Dinge irgendwie funktionieren.»

Drei Pflichtspiele nacheinander hat der Bundesliga-Aufsteiger zuletzt gewonnen. Am Sonntag geht es zu Bayern-Bezwinger Borussia Mönchengladbach. Am Niederrhein wird sich Riemann dann wohl wieder auf sein Kerngeschäft zwischen den Pfosten konzentrieren.

Von Thomas Eßer, dpa
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