Leipzigs Trainer Domenico Tedesco will noch nicht über das Pokalfinale sprechen. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Friso Gentsch/dpa)

Das Pokalfinale war für domenico Tedesco noch weit weg. Aus gutem Grund wollte der RB-Leipzig-Coach nach gerade so geschaffter Champions-League-Qualifikation noch nichts von Berlin wissen. Denn titelreif wirkt sein Team derzeit nicht.

«Wir haben schon noch ein paar Tage», sagte Tedesco nach dem glücklichen 1:1 (0:0) bei Absteiger Arminia Bielefeld, das den Sachsen Platz vier und damit die erneute Qualifikation für die europäische Königsklasse mit ihren Geldtöpfen sicherte.

Fast schon trotzig wollte Tedesco nur darüber reden und nicht schon über das DFB-Pokalfinale am kommenden Samstag gegen den SC Freiburg. «Jetzt haben wir erstmal die Champions League erreicht», sagte der 36-Jährige mit ernster Miene. «Jetzt freuen wir uns erstmal – alles gut. Es ist super, super.» Tatsächlich.

RB-Coach angespannt an der Seitenlinie

Schimpfend und wild gestikulierend war Tedesco während des Spiels bei den limitierten, aber spielbestimmenden und vor allem leidenschaftlich agierenden Arminen immer wieder an der Seitenlinie entlang und teilweise gar auf das Spielfeld gelaufen. Auch nach dem Spiel und dem glücklichen Ausgleich durch Willi Orbans Kopfball in der dritten Minute der Nachspielzeit passten sein Schrei und der grimmige Gesichtsausdruck nicht zur «puren Freude», die er angeblich ausdrücken wollte. Wie immer versammelte Tedesco sein hoch bezahltes Personal noch auf dem Rasen der Bielefelder Alm.

Was dort gesagt wurde, wollte auch Emil Forsberg nicht verraten. «Das ist scheißegal jetzt», sagte der Schwede. Anders als bei Tedesco löste bei Forsberg die Aussicht auf das Finale in Berlin Freude und ein Dauergrinsen aus. «Das ist nur ein Spiel, in dem es um alles geht. Das Pokalfinale ist etwas ganz besonderes. Wir werden alles reinhauen», versprach er.

Das sollte RB auch, denn zuletzt hatte genau dies nicht den Anschein. Platz vier schien irgendwie so gerade noch auf der letzten Felge gesichert worden zu sein. Ausgerechnet zum Saisonende zeigte die Formkurve des Brause-Teams deutlich nach unten. Von den vergangenen sechs Pflichtspielen verlor RB drei, schied gegen die biederen Glasgow Rangers im Europa-League-Halbfinale aus und entging auch am Samstag nur knapp einer weiteren Pleite.

Leistungssteigerung muss her

Dabei hatte Tedesco Leipzig Ende 2021 auf Platz elf von Jesse Marsch übernommen und auf Kurs gebracht. Trotz der Leistungsdelle im Mai ist RB das beste Rückrundenteam der Liga. «Wir können stolz sein. Die ersten sechs Monaten waren nicht einfach. Nach der Winterpause haben wir es sehr gut gemacht. Da haben wir dann unser Potenzial und unsere Qualität auf den Platz gebracht», befand Forsberg. Zur Leistung am Samstag passten die Worte indes so gar nicht. Möglicherweise war Tedesco deshalb angesäuert. Champions-League-Qualifikation hin oder her: Bis Samstag muss eine Leistungssteigerung her.

Von Carsten Lappe, dpa
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