Schalkes Spieler feiern den Last-Minute-Sieg in Hannover vor ihren mitgereisten Fans. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Julian Stratenschulte/dpa)

Beim FC St. Pauli und dem FC Schalke 04 wächst der Glaube an eine Rückkehr in das Fußball-Oberhaus. Die beiden einstigen Erstligisten waren die großen Gewinner des 10. Zweitliga-Spieltages.

Vor allem beim Revierclub aus Gelsenkirchen sorgte das 1:0 (0:0) in Hannover und der Sprung auf Rang drei für lange vermisste Euphorie. Erstmals seit dem Abstieg rangiert das Team auf einem Aufstiegsplatz. «Wenn du aus der Kabine kommst und diese blau-weiße Wand siehst. Und dann noch so ein Tor fällt: Das ist Adrenalin pur», beschrieb Trainer Dimitrios Grammozis die prickelnde Atmosphäre im Stadion und die Freude über den Treffer von Marcin Kaminski in der Nachspielzeit.

Magischer Moment für geschundene Schalker

Auf solch magische Momente musste die geschundene Schalker Fußball-Seele lange warten. Begleitet von 8000 Fans ließ die radikal umgebaute Mannschaft mit 16 Zu- und 24 Abgängen erkennen, dass sie immer besser funktioniert und auch ohne einen Treffer von Simon Terodde Spiele gewinnen kann. Da Terodde (153 Tore) diesmal leer ausging, musste Hannovers Vereinslegende Dieter Schatzschneider im eigenen Stadion nicht mit ansehen, wie seine Zweitliga-Bestmarke nach mehr als 34 Jahren überboten wird. Beide hatten in der vergangenen Woche Kontakt, und da habe Terodde zu Schatzschneider gesagt: «Ich treffe nicht, dafür gewinnen wir. Ich habe mein Wort gehalten», erzählte der Schalker.

Kiezkicker führen weiter die Tabelle an

Drei Zähler vor den punktgleichen Verfolgern aus Regensburg und Gelsenkirchen führt der FC St. Pauli weiter die Tabelle an. Selbst ein früher Rückstand in der Partie beim 1. FC Heidenheim brachte die Kiezkicker nicht aus dem Konzept. Mit drei Toren binnen sechs Minuten durch Guido Burgstaller (55./60.) und Maximilian Dittgen (56.) drehten sie die Partie und feierten beim 4:2 (0:1) den vierten Sieg in Serie. «Momentan macht der Blick auf die Tabelle Spaß», sagte Mittelfeldspieler Dittgen, sieht aber noch Luft nach oben: «Es ist noch lange nicht das Ende der Fahnenstange. Es gibt noch viele Dinge zu verbessern.»

«Noch 21 Punkte zum Planziel Klassenerhalt»

Weiterhin erstaunlich gut schlägt sich der Aufsteiger SSV Jahn Regensburg, der am Freitag beim 1:1 in Paderborn lange führte. Trotz des Punktgewinns im Spitzenspiel und des Verbleibs auf dem zweiten Rang hält Mersad Selimbegovic am Saisonziel Klassenerhalt fest. «Das ist nichts anderes als ein Punkt, der uns unserem Minimalziel näherbringt», sagte der Jahn-Coach. Besorgt in den Rückspiegel schauen müssen die Oberpfälzer jedoch nicht. Schließlich punktet das Team konstant und verlor bislang nur einmal. Gleichwohl schloss sich Mittelfeldspieler Max Besuschkow der Einschätzung des Trainers an: «Wir haben jetzt noch 21 Punkte zum Planziel Klassenerhalt.»

Zehn Chancen und wieder nur ein Tor

Von einer Ausbeute wie der Aufsteiger kann der Hamburger SV derzeit nur träumen. Beim 1:1 (1:0) am Samstagabend gegen Fortuna Düsseldorf verpasste der Aufstiegsfavorit erneut den Sprung in die Aufstiegsregion und liegt nun bereits sieben Zähler hinter dem Stadtrivalen St. Pauli. Selbst gegen dezimierte Gäste, die nach der Roten Karte für Edgar Prib von der 25. Minute an mit zehn Profis auskommen mussten, kassierte das Team von Trainer Tim Walter noch den Ausgleich. «Wir haben zehn Chancen und machen wieder nur ein Tor. Das kann ja wohl nicht sein: in Überzahl und zu Hause», klagte Torschütze Robert Glatzel.

Überschattet wurde die Partie von Rassismusvorfällen. «Vielen Dank an alle HSV Fans, die mich gestern warm willkommen geheißen haben. Aber allen „Fans“, die mich während des Spiels rassistisch beleidigt und mit Bier beworfen haben wünsche ich vom Herzen eine gute Besserung!», schrieb Fortuna-Profi Khaled Narey auf Instagram. Auch gegen den Hamburger Bakery Jatta sollen Beleidigungen gerufen worden sein.

Die Spiele am Sonntag

Ähnlich wie der Tabellenachte HSV tut sich auch Werder Bremen im Kampf um die Bundesliga-Rückkehr weiterhin schwer. Nach dem 0:3 (0:1) beim SV Darmstadt 98 rutschte der Bundesliga-Absteiger auf Rang zehn ab. Die Torschützen Fabian Holland (45.) und Luca Pfeiffer (65./71.) besiegelten die bereits vierte Saisonniederlage der Bremer. Dagegen nutzte Nürnberg die Gunst der Stunde und bleibt nach dem 1:0 (1:0) in Dresden als Fünfter in Schlagdistanz zu den Aufstiegsplätzen. Im Abstiegskampf trennten sich Hansa Rostock und der SV Sandhausen 1:1.

Von Heinz Büse, dpa
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