Marschiert mit Bielefeld in Richtung 3. Liga: Arminia-Ikone Fabian Klos. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Jörg Halisch/dpa)

Der Klassenverbleib ist längst abgehakt, für Arminia Bielefeld geht es in der Relegation gegen den SV Wehen Wiesbaden nur noch darum, halbwegs die Würde zu bewahren.

Zu katastrophal ist das Bild, das der Noch-Zweitligist vor dem Rückspiel am Dienstag (20.45 Uhr/Sat1 und Sky) auf und neben dem Fußballplatz derzeit bietet.

Während der DFB-Kontrollausschuss noch das beschämende Verhalten der aufgebrachten Arminen-Fans am Rande des 0:4 im Relegationshinspiel in Wiesbaden aufarbeitet und entsprechend ermittelt, versucht Trainer Uwe Koschinat so gut es eben geht, sein Team auf das Rückspiel vorzubereiten.

«Für mich ist das allerwichtigste Ziel, dass alle Arminen nach dem Spiel – auch wenn es nicht gereicht haben sollte – der Mannschaft Respekt zollen können, isoliert für diese 90 Minuten. Dass wir uns ein wenig unsere Würde und unseren Anstand zurückholen», sagte Koschinat am Montag. Von Hoffnung auf ein sportliches Wunder ist schon keine Rede mehr. «Die Ausgangslage ist nahezu aussichtslos», gestand Koschinat zuvor bereits und sprach «von einer deutlichen Vorentscheidung im Kampf um den Aufstieg» zugunsten des Drittligisten.

Fehlplanung nach Erstliga-Abstieg

Dass die Arminia sehr wahrscheinlich innerhalb eines Jahres von der ersten bis in die dritte Liga durchgereicht wird, hat verschiedene Gründe. Der Ursprung liegt bereits in der Fehlplanung des vergangenen Sommers, die in einer Chaos-Saison mit drei unterschiedlichen Trainern und dem Abgang von Sport-Geschäftsführer Samir Arabi endete. Das emotionale TV-Interview von Arminen-Legende Fabian Klos nach dem 0:4 in Wiesbaden dokumentierte das verheerende Ausmaß des Zustandes der Mannschaft, die laut Klos längst keine mehr ist. «Das Ding ist durch», sagte der 35 Jahre alte Kapitän am Sky-Mikrofon. 

In Bielefeld geht nun die Angst vor neuen Ausschreitungen um. «Ich habe überhaupt keine Erwartung, dass die Fans uns rückhaltlos unterstützen, nicht nach dieser Saison. Das müssen wir uns zurückerobern. Das wird ein ganz hartes Stück Arbeit, aber dem müssen wir uns stellen», sagte Koschinat. 

Am Freitag war das Spiel 21 Minuten lang unterbrochen, nachdem Bielefelder Anhänger wiederholt Pyrotechnik auf den Rasen geschossen und einige sogar versucht hatten, den Platz zu stürmen. Die Partie stand vor dem Abbruch. Dass dies nicht passierte, lag auch am beherzten Auftreten von Klos, der als einziger Armine immer wieder den Dialog mit dem aufgebrachten Anhang suchte und versuchte, zu beruhigen. Anschließend äußerte Klos auch Verständnis für die Fan-Wut. «Die Fans reagieren auf das, was das sogenannte Team hier auf den Platz gebracht hat», sagte er. Am Dienstag werden die Bielefelder als Reaktion mit dem Trikotslogan «Fairplay» auflaufen. 

Kaum Verträge für 3. Liga

Neben der Aufarbeitung der Geschehnisse vom Hinspiel und der schwierigen Vorbereitung auf das Spiel am Dienstag geht es für die Arminia längst schon um die Planungen für die kommende Saison. «Bis auf ganz wenige Ausnahmen hat keiner unserer Spieler einen Vertrag für die 3. Liga», sagte der aktuelle Geschäftsführer Christoph Wortmann, der also reihenweise ablösefreie Abgänge zu befürchten hat.

Immerhin Identifikationsfigur Klos will auch in der 3. Liga weitermachen. «Ich höre so nicht auf. Das ist mein Verein», sagte der Routinier und forderte: «Wir müssen alles hinterfragen jetzt.» Wenn das denn so einfach geht. Beim Sturz in die Drittklassigkeit 2011 stand die Arminia kurz vor der Insolvenz.

«Ich gehe zu einhundert Prozent davon aus, dass es weitergeht, ja. Aber wir haben noch wirtschaftliche Herausforderungen zu bewältigen», sagte Wortmann dem «Westfalen-Blatt» nun. Die TV-Einnahmen schrumpfen weiter, Spielerwerte fallen, es kommt zu Einbußen im Ticketing und Merchandising sowie bei Sponsoren. «Die 3. Liga zu stemmen, wäre eine riesige Herausforderung. Kosten in allen Bereichen müssten reduziert werden. Das beträfe natürlich in erster Linie die Kaderkosten, aber auch andere Posten wie Reisekosten und vieles mehr», sagte Wortmann.

Carsten Lappe, dpa
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