Dortmunds Torschütze Mats Hummels (M.) erzielt den zweiten Treffer. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Friso Gentsch/dpa)

Für ausgelassenen Jubel fehlte am Ende die Kraft. Mit schweren Beinen und müden Köpfen bewegten sich die Dortmunder Profis langsam Richtung Tribüne und ließen sich von ihren mitgereisten Fans feiern.

Nach dem glanzlosen 3:1 (2:0) bei Arminia Bielefeld war bei allen Beteiligten die Erleichterung größer als die Freude. Schließlich blieben die nach der peinlichen 0:4-Schlappe in Amsterdam befürchteten Folgeschäden vorerst aus. «Wir mussten eine Reaktion zeigen. Das haben wir heute getan», befand Nationalspieler Emre Can.

Dank der Tore der Routiniers Can (31./Foulelfmeter), Mats Hummels (45.) und Jungstar Jude Bellingham (72.) festigte der BVB den zweiten Tabellenplatz in der Fußball-Bundesliga. Nicht zuletzt deshalb konnte Trainer Marco Rose die gelegentlichen spielerischen Unzulänglichkeiten seiner Profis vor allem in der ersten Halbzeit locker verschmerzen. «Zwischendurch war es etwas holprig, aber insgesamt eine gute Reaktion gegen einen unangenehmen Gegner. Ich hätte mir allerdings gewünscht, dass wir mal zu Null spielen», kommentierte der Coach mit Bezug auf den späten Gegentreffer von Fabian Klos (87./Foulelfmeter).

Zwei Treffer der Kategorie «Traumtor»

In einem insgesamt durchwachsenen Spiel sorgten die Dortmunder Hummels und Bellingham für die Höhepunkte. Der noch in Amsterdam schwache Hummels gab eine sportliche Antwort auf die Kritik der vergangenen Tage und sorgte mit einem sehenswerten Volleyschuss von der Strafraumgrenze für die beruhigende 2:0-Halbzeitführung seines Teams. «Das war auf jeden Fall eines meiner schöneren Tore», kommentierte der Dortmunder Abwehrchef. Damit erzielte der 32-Jährige seit 2008/09 in jeder Bundesliga-Spielzeit mindestens ein Tor. Das gelang in diesem Zeitraum keinem anderen Spieler.

Doch auch der Treffer von Bellingham verzückte alle Fußball-Liebhaber. Gleich drei Gegenspieler ließ der erst 18 Jahre Engländer aussteigen, ehe er den Bielefelder Torhüter Stefan Ortega mit einem gefühlvollen Heber überlistete. «Jude’s Tor war wahrscheinlich noch ein bisschen schöner als das vorher», schwärmte Fußball-Lehrer Rose.

Dagegen trauerte sein Gegenüber Frank Kramer der vergebenen Chance nach, den Favoriten noch mehr ins Wanken gebracht zu haben. «Die Mannschaft war sehr gut im Spiel. Aber dann kommt aus dem Nichts der Elfmeter», klagte der Bielefelder Coach mit Bezug auf die glückliche Führung durch Can. Als Hauptursache für die Niederlage machte Kramer die fehlende Effektivität seiner Profis aus. «Das ist einfach eine Qualität, die wir bei unseren fünf, sechs Chancen nicht hatten. Das ist der entscheidende Unterschied.» Am Ende steht eine historische Negativmarke: Nie zuvor waren die Ostwestfalen nach neun Bundesliga-Spieltagen noch ohne Sieg.

Getrübt wurde die Dortmunder Freude über den Sieg durch die Sorgen um einen weiteren Stammspieler. Bei einer spektakulären Rettungsaktion gegen den Bielefelder Janni Serra musste Torhüter Gregor Kobel in der Halbzeit durch Marwin Hitz ersetzt werden. «Er ist mit dem Oberschenkel gegen den Pfosten geknallt. Ich hoffe, dass das keine Züge wie bei Erling annimmt», klagte Rose in Anspielung auf die Oberschenkelverletzung von Torjäger Erling Haaland, der seinem Team noch über Wochen fehlen wird.

Von Heinz Büse dpa
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