An Covid-19 erkrankt: Münchens Torwart Manuel Neuer. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild)

Bayern-Kapitän Manuel Neuer versah seine schlechte Corona-Nachricht aus dem Malediven-Urlaub für seine vielen Fans mit einem beruhigenden Victory-Zeichen.

«Mir geht es soweit ganz gut, ich habe zum Glück nur leichte Symptome», schrieb der geimpfte Torhüter in einem Instagram-Post zur Handgeste mit Zeige- und Mittelfinger.

Trotzdem: Herbstmeister FC Bayern München wird wenige Tage vor dem Eröffnungsspiel der Bundesliga-Rückrunde am kommenden Freitag gegen Borussia Mönchengladbach gleich wieder vom Corona-Virus ausgebremst.

Fünf positive Fälle im Team

Am Neujahrsabend gab der Verein gleich fünf positive Fälle bekannt. Neben Neuer hat es im Weihnachtsurlaub auch Kingsley Coman (Dubai) und Corentin Tolisso (Frankreich) sowie den Engländer Omar Richards und Julian Nagelmanns Co-Trainer Dino Toppmöller erwischt. Der «größte Wunsch» von Oliver Kahn für 2022, nämlich «dass wir die Pandemie endlich in den Griff bekommen», wurde durch die schlechten Neuigkeiten nach der Silversternacht nur noch einmal unterfüttert.

Alle Infizierten befinden sich in Quarantäne. «Es geht ihnen allen gut», versicherte der Verein. Chefcoach Nagelsmann aber musste den für Sonntag angesetzten Trainingsstart auf Montag verschieben. Davor findet morgens noch ein PCR-Test für alle Profis, Trainer und Staff-Mitglieder statt. Über die Dauer der Quarantäne von Neuer und Co. entscheidet das lokale Gesundheitsamt. Als Ersatz für Neuer dürfte Routinier Sven Ulreich gegen Gladbach im Tor stehen.

Bayern wollte eigentlich von Corona ablenken

Eigentlich hatten sie beim FC Bayern gehofft, dass Corona und Impfdebatten 2022 nicht mehr tonangebend sind. Im Blickpunkt stehen sollte vielmehr das Comeback von Joshua Kimmich. Der 26 Jahre alte Nationalspieler will nach seiner nochmals verlängerten Zwangspause durch Lungenprobleme infolge seiner Covid-19-Erkrankung endlich wieder auf dem Platz loslegen – und das am besten mit Volldampf.

«Das wird sich zeigen, wenn er unter Höchstbelastung trainiert. Aber ich hoffe es sehr und gehe auch fest davon aus», sagte Ehrenpräsident Uli Hoeneß der Deutschen Presse-Agentur. Die neuen Fälle um Neuer dürften auch den von Corona genesenen Kimmich in seinem Umdenken zur Impfung bestärken. Hoeneß sieht im Nationalspieler «ein fantastisches Beispiel, dass man seine Meinung ändern kann. Ich rechne es ihm hoch an, dass er sich hinstellt und sagt: „Ich habe das falsch eingeschätzt.“ Das würde ich mir bei mehr Menschen wünschen.»

Zwei Monate fehlte Kimmich dem Tabellenführer erst als Kontaktperson und dann als Infizierter. Infiltrationen der Lunge verzögerten seine Rückkehr zum Jahresende 2021. «Die Mannschaft hat die Kohlen auch ohne ihn gut aus dem Feuer geholt. Da braucht er sich also keine Vorwürfe zu machen», meinte Hoeneß.

Hoeneß mit Kader-Wunschzettel

«Seine» Bayern sieht der Ehrenpräsident kurz vor seinem 70. Geburtstag am Mittwoch in Bundesliga und Champions League voll auf Kurs. Ein großes Verdienst schreibt er dabei Neucoach Nagelsmann zu. «Ich bin total happy, dass wir ihn haben», schwärmt Hoeneß. «Was mir besonders gut gefällt, ist, dass es ihm gelingt, fast jeden Spieler besser zu machen – und so die Mannschaft.» Der Nachfolger von Hansi Flick, für den die Bayern angeblich mehr als 20 Millionen Euro an RB Leipzig zahlen mussten, sei «jeden Euro wert», bemerkte Hoeneß.

Einen 2022-Wunschzettel formulierte der Ehrenpräsident auch. Hoeneß möchte neben den Flügelspielern Coman (25) und Serge Gnabry (26) auch die schon älteren Führungskräfte Neuer (35), Robert Lewandowski (33) und Thomas Müller (32) unbedingt über 2023 hinaus im Bayern-Trikot spielen sehen. «Derzeit kann ich mir die Jahre 2024 und 2025 ohne dieses Trio nicht vorstellen», sagte Hoeneß. Er sitze beim FC Bayern zwar «nicht mehr auf dem driver’s seat». Aber er gehe davon aus, dass sich die neuen Bayern-Bosse um Kahn «der Thematik bewusst sind und versuchen werden, mit diesen Spielern zu verlängern».

Hoeneß für Verlängerung mit Qatar Airways

Das kostet freilich. Und Corona mit den wieder verordneten Geisterspielen schmälern die Einnahmen empfindlich. Auch darum votiert Hoeneß unter bestimmten Voraussetzungen für eine Verlängerung der bei einem Teil der Fans wegen Menschenrechtsfragen umstrittenen, aber halt sehr lukrativen Partnerschaft mit der Fluglinie Qatar Airways über 2023 hinaus. «Ich persönlich würde zu einer Verlängerung tendieren, wenn wir das Gefühl haben, dass wir mit dieser Partnerschaft einen Beitrag leisten können, dass sich die Dinge vor Ort verbessern und weiter verbessern werden», begründete Hoeneß.

Die Katar-Problematik sieht Hoeneß als «ein ganz elementares Thema auch für die Zukunft des Vereins». Ohne Sponsoreneinnahmen könne der FC Bayern nicht mit europäischen Topclubs konkurrieren, in die «von Investoren und Staatsfonds Geld ohne Ende gepumpt» werde, mahnte Honeeß: «Irgendwann könnte der Punkt kommen, an dem unsere Fans – und übrigens auch die Medien – akzeptieren müssten, dass die deutschen Fußballmannschaften international keine Rolle mehr spielen.»

Von Klaus Bergmann, dpa
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