Die Mannschaft des 1. FC Union bejubelt das 1:1 von Taiwo Awoniyi (2.v.r). Kurz darauf legt der Stürmer zur Berliner Führung nach. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Torsten Silz/dpa)

Den Jubel über das Jubiläumstor für den 1. FC Union Berlin und seinen Doppelpack an alter Wirkungsstätte verkniff sich Taiwo Awoniyi.

Ausgerechnet der frühere Mainzer schoss die Eisernen vor 16.000 Zuschauern in der 69. und 73. Minute zum 2:1 (0:1)-Sieg und sorgte damit für die erste Saison-Heimniederlage der Rheinhessen in der Fußball-Bundesliga. «Mein erstes Tor hat mir besonders gefallen. Wichtig waren die drei Punkte», sagte der Matchwinner nach dem Abpfiff mit einem breiten Grinsen am DAZN-Mikrofon.

Nachdem Union-Leihgabe Marcus Ingvartsen (39.) den FSV Mainz 05 in Führung gebracht hatte, glich Awoniyi mit dem 100. Tor der Unioner in ihrer noch jungen Bundesliga-Geschichte aus und krönte kurz darauf seinen starken Auftritt. «Taiwo ist viel gelaufen, war unermüdlich und hat sich heute belohnt. So wollen wir ihn sehen», lobte Union-Trainer Urs Fischer den 24 Jahre alten Nigerianer.

Awoniyi für Mainz nicht finanzierbar

«Ich fand ihn schon immer gut. Wie man gesehen hat, zurecht», urteilte FSV-Sportvorstand Christian Heidel über Awoniyi. Der Stürmer hatte in der Saison 2019/20 als Leihgabe des FC Liverpool insgesamt zwölf Spiele für Mainz absolviert und suchte dann sein Glück bei den Berlinern, die ihn fest verpflichteten. «Er war auf dem Markt, aber für uns nicht finanzierbar», sagte Heidel. Und das trotz bester Kontakte zu Liverpool-Coach Jürgen Klopp. «Wir haben über ihn gesprochen, aber ich habe keinen Rabatt bekommen», ergänzte Heidel.

Dank des dritten Erfolges in Serie kletterten die Berliner mit zwölf Punkten auf den siebten Tabellenplatz. Fischer bremste aber sofort die Euphorie. «Unser Ziel ist der Klassenerhalt, daran wird nicht geschraubt», betonte er.

Mainz, das in der Nachspielzeit Dominik Kohr nach Gelb-Roter Karte verlor, bleibt mit zehn Zählern Neunter. «Heute haben ein Ex-Berliner und ein Ex-Mainzer getroffen, leider der Ex-Mainzer zweimal. Das ist sehr ärgerlich», sagte FSV-Sportdirektor Martin Schmidt. «Das haben wir in der Vergangenheit schon besser verteidigt.»

Svensson sauer über «Geschenke»

«Naiv» habe sich sein Team auskontern lassen, beklagte Mainz-Coach Bo Svensson. «Jeder kennt die Stärken von Taiwo. Die zwei Gegentore waren Geschenke von uns. Das hat leider das Spiel entschieden.» Beide Male sah die Abwehr, in der Stefan Bell sein 200. Bundesligaspiel im Mainzer Trikot absolvierte, nicht gut aus. In der Schlussphase warf Mainz zwar noch einmal alles nach vorn, doch der Ausgleich gelang nicht mehr.

Neben der Niederlage schmerzte auch die Verletzung von Abwehrspieler Jeremiah St. Juste, der sich schon in der Anfangsphase die Schulter auskugelte und wohl länger ausfällt. «Er hatte das im Januar schon einmal. Wir werden nach einer MRT-Untersuchung entscheiden, ob es konservativ behandelt wird oder sogar ein Eingriff vorgenommen werden muss», sagte Sportdirektor Schmidt.

Kruse als Wegbereiter

Die Berliner hingegen sorgten für positive sportliche Schlagzeilen, nachdem es zuletzt einigen Wirbel um die antisemitischen Vorfälle im Conference-League-Spiel gegen Maccabi Haifa am vergangenen Donnerstag gegeben hatte. «Jeder im Team verurteilt so etwas. Das sollte in der Mannschaft jetzt aber kein Thema werden», sagte Max Kruse.

Der Routinier war bei den Toren von Awoniyi der Wegbereiter und hatte damit großen Anteil am verdienten Erfolg. «Es ist stark, in Mainz so zurückzukommen und das Spiel zu drehen. Das war top. Riesen Kompliment an die Truppe, was sie heute geleistet hat», sagte Trainer Fischer.

Von Eric Dobias, dpa
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