Bayern-Vorstandschef Oliver Kahn. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Sven Hoppe/dpa)

Der neue Vorstandschef Oliver Kahn wirbt darum, dass Fußball-Stars beim FC Bayern München bei Vertragsverhandlungen nicht nur finanzielle Aspekte im Auge haben sollten.

«Natürlich weiß ich, dass Geld immer eine Rolle spielt. Aber ein Spieler ist auch ein Mensch, der sich Gedanken machen sollte: Eine Karriere geht schneller vorbei, als man denkt – und wie sollen einen die Fans dann in Erinnerung behalten? Was soll man zum Schluss über mich sagen? Wo soll man mich verorten?», sagte Kahn im Mitgliedermagazin «51».

«Der FC Bayern bietet seinen Spielern unheimlich viel. Das sollte jedem bewusst sein. In der Vergangenheit haben viele Spieler beim FC Bayern erkannt, was hier möglich ist. Und keiner hat es bereut, lange geblieben zu sein», sagte Kahn. Der 52-Jährige trat in diesem Sommer beim FC Bayern München die Nachfolge von Karl-Heinz Rummenigge an.

Goretzka-Verlängerung im Fokus

Aktuell stehen besonders Verhandlungen mit Fußball-Nationalspieler Leon Goretzka im Fokus. Der Vertrag des 26-Jährigen läuft in einem Jahr aus. Eine Einigung wurde noch nicht erzielt. In diesem Sommer hatten die Bayern Abwehrchef David Alaba ablösefrei zu Real Madrid ziehen lassen müssen. Die Vereinsführung konnte sich mit dem österreichischen Nationalspieler finanziell nicht einigen.

Im Kampf um einen internationalen Spitzenplatz des Vereins setzt Kahn angesichts des durch die Corona-Krise angegriffenen Festgeldkontos auch auf andere Faktoren. «Insbesondere die investorengetriebenen englischen Clubs haben eine enorme finanzielle Power. Trotzdem ist es uns bisher immer gelungen, diesen Wettbewerbsnachteil auszugleichen. Daran arbeiten wir mit allem, was wir haben, denn wir sind der FC Bayern», sagte der frühere Weltklasse-Torwart.

«Siegermentalität haben andere auch – aber wir haben diese ganz bestimmte Siegesfähigkeit. Bei uns lernt man, wie man Titel holt, das ist hier ganz extrem ausgeprägt. Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich sagen, wie viel es einem Spieler gibt, eine Ära zu prägen. Was es wert ist, ein gestaltender Teil einer Ära zu sein, merken viele Spieler erst, wenn die Karriere vorbei ist», sagte Kahn.

«Jeder hat seine Schwächen, auch ich»

Über sein einstiges Image als «Titan» kann der langjährige Weltklasse-Torhüter mittlerweile schmunzeln. «Das war eine Überhöhung meines Torwartspiels, ein Teil des Sports, hat aber nichts mit meiner eigenen Lebensrealität zu tun – schon damals war das nicht der Fall und heute erst recht nicht. Diese Zeit ist längst vorbei», so Kahn.

«Unkaputtbar ist kein Mensch. Jeder hat seine Schwächen, auch ich. Ich habe in meiner aktiven Zeit sehr wohl gelernt, dass es Grenzen der Belastbarkeit gibt. Heute würde ich diese auch nicht mehr so überschreiten wie damals», führte Kahn aus. «Ich habe gelernt, was ich kann. Aber Günter Netzer sagte mir mal, dass es fast noch wichtiger ist zu wissen, was man nicht kann. Weil man sich dessen bewusst sein sollte, dass es keine Schwäche ist, wenn man andere für Ergänzungen miteinbezieht.»

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