Dortmunds Nico Schlotterbeck jubelt nach dem Sieg gegen Augsburg. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Tom Weller/dpa)

Als der Dortmunder Mannschaftsbus in der Nacht zu Montag am Vereinsgelände ankam, feierten die BVB-Anhänger ihr Team schon als Titelgewinner. «Deutscher Meister wird nur der BVB», sangen die schwarz-gelben Fans ekstatisch.

Der Vorstoß an die Tabellenspitze der Fußball-Bundesliga versetzt eine ganze Region in eine Mega-Euphorie. Letzte BVB-Zweifel am neunten Titel der Vereinsgeschichte haben sich nach dem 3:0 in Augsburg in Luft aufgelöst. «Die Stadt wird brennen», versprach Julian Brandt mit Blick auf den prickelnden Countdown zum Heimspiel gegen den FSV Mainz 05 am Samstag.

Der Glaube an die Krönung der Bundesliga-Saison ist real. Die Schwarz-Gelben haben ihren ersten Titel seit 2012 bei zwei Punkten Vorsprung auf den FC Bayern in eigener Hand. Mit breiter Brust stolzierten die Spieler, Trainer und Funktionäre am Sonntagabend durch die Katakomben der Augsburger Arena. «Es wird Zeit», sagte BVB-Keeper Gregor Kobel über die sich anbahnende Wachablösung in der Bundesliga.

Versprechen von Schlotterbeck

Sportdirektor Sebastian Kehl, als Spieler selbst dreimal Meister mit den Dortmundern, jubelte mit geballter Faust. «Yes, ein verdammter Sieg noch, ein scheiß Sieg noch», schrie der 43-Jährige. Nationalspieler Nico Schlotterbeck schickte ein Meisterversprechen an die Teamkollegen: «Wir werden es. Wir werden es, Männer!» Anschließend holte sich der BVB-Verteidiger eine dicke Umarmung von Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke ab. «Wir müssen noch eine Woche durchziehen. Ohne Rücksicht auf Verluste», appellierte der BVB-Chef an die Mannschaft.

Der Dortmunder Borsigplatz wappnet sich für eine ultimative Meister-Party, die im Winter wohl niemand mehr für möglich gehalten hätte. «Wenn wir im Januar in Marbella das prophezeit hätten, dass wir am 33. Spieltag mit zwei Punkten Vorsprung Tabellenführer sind, hättet ihr uns für bescheuert erklärt», sagte Watzke lachend zu den Journalisten. Im November hatte der Rückstand auf den Münchner Rekordsieger sogar einmal neun Punkte betragen. Dann begannen die Bayern zu patzen und der BVB legte eine furiose Rückrunde mit bislang nur einer Niederlage hin. 

Eine Hand hat Dortmund an der Meisterschale. Kinder, die nach 2012 geboren wurden, könnten erstmals einen anderen deutschen Fußball-Meister als den FC Bayern erleben. «Wir brauchen jetzt die Emotionen in der Stadt, im Stadion, und wir kümmern uns dann um den Fußball. Wir müssen nächste Woche so laut sein, wie wir es noch nie waren», forderte BVB-Coach Edin Terzic von den rund 81.000 Fans, die das Dortmunder Stadion am Samstag in einen Hexenkessel verwandeln werden.

Kobel will es simpel halten

Die Borussia erwartet eine emotionale, spannende und verrückte Woche, wie Torwart Kobel voraussagte. «Es wird sicherlich sehr viel Druck da sein. Aber die Überzeugung ist extrem. Es wird Zeit. Wir müssen alles so simpel wie möglich gestalten», sagte der Schweizer und versuchte zumindest leicht die Dortmunder Euphorie zu bremsen: «Es geht noch weiter. Wir haben noch unseren Job zu erledigen und brauchen noch einmal 90 Minuten am Samstag.»

Es geht nur im Kollektiv gemeinsam mit den Fans. Da waren sich in Dortmund am Sonntagabend alle einig. Bei der Vorstellung, am Samstag vor 81.000 Fans ins Stadion einzulaufen, wurde Terzic emotional. «Ich bin mir sicher, dass sich die Jungs alles kaufen können, was sie wollen. Das nächste Auto. Den nächsten teuren Urlaub. Das nächste Haus. Aber was sie sich nicht kaufen können, ist dieser Moment, nächste Woche ins Stadion zu kommen.»

Deutlich hoffnungsloser reisen die Bayern dann zum 1. FC Köln. In München war es nach dem BVB-Sieg mucksmäuschenstill. Reaktionen auf den Verlust der Tabellenführung gab es bis Montag keine. Es lässt sich nur erahnen, wie fassungslos die Spieler, die Führungsriege um Oliver Kahn und vor allem Mr. FC Bayern Uli Hoeneß das Spiel in Augsburg verfolgten. Die erste titellose Saison seit zehn Jahren wird langsam, aber sicher, Realität.

Jordan Raza und Christian Johner, dpa
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