Laut Medienberichten soll Thomas Tuchel Favorit auf die Nachfolge von Julian Nagelsmann beim FC Bayern München sein. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Darko Bandic/AP/dpa)

Seit seinem Umzug nach München geistert der Name von Thomas Tuchel immer rund um den FC Bayern umher. Nun dürfte der 49-Jährige als Nachfolger von Julian Nagelsmann den Job bekommen, den er beinahe schon vor ein paar Jahren angetreten hätte.

Medienberichten zufolge soll der ehemalige Trainer von Borussia Dortmund, Paris Saint-Germain und des FC Chelsea bereits am Montag mit einer neuen Mannschaft an der Säbener Straße trainieren. Die Personalie war bis Freitagvormittag noch nicht offiziell bestätigt, aber alles lief auf diese spektakuläre Verpflichtung hinaus.

2018 zögerte der FC Bayern bei Tuchel zu lange

Mit fünf Jahren Verspätung kommt Tuchel also an die Isar. Karl-Heinz Rummenigge wollte den Coach 2018 unbedingt zum Fußball-Rekordmeister holen – doch die Münchner zögerten in dieser Frage – für Tuchel zu lange. Er ging nach Paris, Bayern engagierte letztlich Niko Kovac und wurde damit nicht glücklich. Die Chance auf Tuchel mochte der Bundesligist offenbar nicht ein zweites Mal verstreichen lassen. Noch ist der international begehrte Fußball-Lehrer, der mit Chelsea die Champions League gewann, auf dem Markt. Internationale Topclubs sind an ihm interessiert.

Die Verpflichtung von Nagelsmann war 2021 eine für die Zukunft vielversprechende Lösung, aber auch nicht ohne Risiko. Ein junger Trainer, ohne große Titel und mit wenig Erfahrung auf europäischem Top-Niveau. Aber auch der Wechsel zu Tuchel ist kurz vor wegweisenden Wochen nicht ohne. Der gebürtige Krumbacher ist spätestens mit seinem Champions-League-Sieg 2021 mit Chelsea in den Trainer-Olymp aufgestiegen. Aber der fußballbesessene Schwabe eckt mitunter an.

Der 49-Jährige ist nicht selten Gegenstand hitziger Debatten. Sein Job bei Chelsea endete nach Unstimmigkeiten mit Club-Besitzer Todd Boehly im Clinch. Auch in Paris gab es zuvor Ärger mit der Vereinsführung.

«Tuchel lebt Fußball»

Tuchel ist detailverliebt. Ihn zeichnet eine unglaubliche Besessenheit aus, den Gegner auszulesen. Ein Taktik-Fuchs, der stundenlang über die richtige Aufstellung, gnadenloses Pressing sowie Vierer- oder Dreierketten sinnieren kann. Tuchel lebt Fußball.

Eine Geschichte über Taktik mit Salz- und Pfefferstreuern beschreibt den Fußball-Freak Tuchel perfekt. 2014 traf sich der Coach im Münchner Nobelrestaurant Schumann’s mit dem damaligen Münchner Trainer Pep Guardiola. Es entwickelte sich eine Diskussion, in der sich Salzstreuer in Lionel Messi oder Andrés Iniesta verwandelten. «Fußball, Fußball, Fußball. Wir haben uns nur über Fußball unterhalten», sagte Guardiola später über das Treffen.

Torwart-Oldie Gianluigi Buffon, der bei PSG unter Tuchel spielte, adelte seinen einstigen Trainer als außergewöhnlich schlau und einfühlsam. «Ich habe nur wenige Leute kennengelernt, die so intelligent sind», sagte der inzwischen 45 Jahre alte Italiener. Der deutsche Coach sei jemand, der es schaffe, sofort ein Gefühl für die Kabine zu bekommen, schwärmte Buffon.

Jordan Raza und Christian Kunz, dpa
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